Rolf von Bergmann

Ohne Titel (Selbstporträt mit Salomé), 1977

Rolf von Bergmann (1953–1988) und Salomé (* 1954) setzen sich in lasziver Haltung in Szene: Salomé mit blonder Perücke und langen falschen Wimpern, von Bergmann mit expressivem Make-up und Federboa. In glitzernden High Heels stehen sie auf einem Berg aus Pelzmänteln wie Statuen, die auf ihren Marmorsockeln thronen. Der Fotograf Rolf von Bergmann stellt seine Kamera so auf, dass die Betrachter*innen zu den beiden aufschauen müssen. Selbstbewusst und kokett blickt dieses extravagante Künstler-Duo in die Linse. Was zunächst wie ein Schnappschuss wirkt, ist bewusst inszeniert.

Von Bergmann nutzt die Fotografie, um sich in seiner eigenen queeren Identität zu bestärken. Das Sich-Darstellen als Drag Queen zieht sich wie ein roter Faden durch sein frühes fotografisches Werk. Seine Selbstporträts zeugen von einem queeren Selbstverständnis, das zu dieser Zeit noch weniger selbstverständlich war als heute und hart erkämpft werden musste. Mit der Schwulen- und Lesbenbewegung, Vereinigungen wie der Homosexuellen Aktion West Berlin (HAW) und dem ersten Berliner Pride March 1979 zeigten sich auch in West-Berlin Impulse einer queeren Emanzipation, die sich in den 1970er Jahren durchzusetzen begannen.

Rolf von Bergmanns „Selbstporträt mit Salomé“ entstand 1977 in der Galerie am Moritzplatz. In dieser „Selbsthilfegalerie“, die von Salomé, Rainer Fetting (* 1949), Rolf von Bergmann, Helmut Middendorf (* 1953) und Bernd Zimmer (* 1948) gegründet worden war, fand nicht nur die sogenannte „heftige Malerei“ ihre Anfänge. Die Ateliers des alten Fabrikgebäudes waren auch ein Ort, an dem Künstler*innen sich in ihren Werken explizit mit homosexuellen Themen beschäftigten. Vor allem Rolf von Bergmann und Salomé brechen sowohl mit ihrer Kunst als auch mit ihren Auftritten als Drag-Performance Duo „Transformer Company“ festgeschriebene Geschlechterkonstruktionen auf.

 

Autor*in:
Hanna Vogel
Wissenschaftliche Volontär*in
Pronomen: keine, sie/ihr

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