Videoart online

Bis zur Wiedereröffnung des Museums ab Mai 2023 zeigen wir online Ausschnitte aus dem IBB-Videoraum Programm des vergangenen Jahres.

Pilvi Takala

Im Zentrum von Pilvi Takalas künstlerischer Praxis stehen von ihr inszenierte performative Interventionen. Sie untersucht die sozialen Normen des Zusammenlebens verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, indem sie diese subtilen Störungen aussetzt. In ihren Arbeiten befasst sie sich mit den Zuständen und Bedingungen der heutigen Arbeitswelt.

Pilvi Takala, The Stroker, 2018

„The Stroker“ (2018, 15 Min.) basiert auf Takalas Intervention in einem hippen Londoner Coworking-Space, den hauptsächlich Start-Ups nutzen. Takala gibt sich als „Wellness Consultant“ aus, verhält sich gegenüber den dort Arbeitenden auffallend freundlich und berüht sie ungefragt immer wieder leicht an der Schulter. Die Reaktionen reichen von Wohlwollen über Befremden bis zur offenen Ablehnung, wobei eine entsprechende Körpersprache und der Austausch zwischen den Arbeitenden die direkte verbale Konfrontation ersetzen. In der gläsernen Architektur der vermeintlich so lockeren neuen Arbeitswelt werden wir Zeug*innen der Verhandlung persönlicher Grenzen.

Pilvi Takala, If Your Heart Wants it (Remix), 2020

„SLUSH“ ist ein dreitätiges Event mit Partycharakter, das Gründer*innen und Investor*innen zusammenbringen soll. In „If Your Heart Wants it (Remix)“ (2020, 15 Min.) dokumentieren Takala und ihr Team das Geschehen und initiieren Gespräche mit Teilnehmenden. Takala hinterfragt sowohl die stets zur Schau getragene Positivät als auch die neoliberale Haltung, wonach Erfolg und Misserfolg nur vom persönlichen Einsatz abhängen.

Pilvi Takala, Workers‘ Forum, 2015

„Workers‘ Forum“ (2015, 6 Min.) ist ein animierter Chat, dessen Idee sich aus Takalas Erfahrung als Micro-Taskerin in den USA entwickelte. Sie arbeitete für einen Dienst, bei dem die Nutzer*innen dafür bezahlen, dass ihnen angebliche Freund*innen eine SMS schicken. Das Video basiert auf Forums-Unterhaltungen zwischen den Micro-Tasker*innen, die als billigste Arbeitskräfte eingesetzt werden. Sie agieren erstaunlich empathisch – und das, obwohl sie in einem System arbeiten, das darauf ausgelegt ist, menschliche Beziehungen zu minimieren.

Biografie

Pilvi Takala wurde 1981 in Helsinki, Finnland, geboren. Ihre Arbeiten wurden u.a. im MoMA PS1, New Museum, Palais de Tokyo, Kunsthalle Basel und Manifesta 11 gezeigt. Bei der Venedig-Biennale vertrat sie Finnland.

Die Realisierung erfolgt mit freundlicher Unterstützung der