Ludwig von Hofmann

Reiter an der Felsenbucht, undatiert

Gemälde von Ludwig von Hofmann, Öl auf Leinwand, 48 x 64 cm

Ludwig von Hofmann (1861–1945), Reiter an der Felsenbucht, undatiert

© Urheberrechte am Werk erloschen, Repro: Kai-Annett Becker
Gattung Gemälde
Material Öl auf Leinwand, auf Leinwand kaschiert
Maße 48 x 64 cm
Signatur monogrammiert oben rechts: LvH

Restauriert mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung

Forschungsstand

Die Provenienz ist ungeklärt und wird weiter erforscht.

© Repro: Kai-Annett Becker

Rätsel um einen Käufer

Volker Westphal (1938–2017), der dieses Gemälde 2018 an die Berlinische Galerie verkaufte, arbeitete seit 1966 als Kunsthändler in Berlin. Er führte sein Geschäft zuletzt in einer großzügigen Wohnung am Kaiserdamm 118. Wann und aus wessen Besitz „Reiter an der Felsenbucht“ zu ihm kam, ist unbekannt. Noch 2012 wurde das Gemälde zu einem sehr niedrigen Schätzpreis über das Auktionshaus Hugo Ruef in München als „Nackter Knabe zu Pferd am Strand einer felsigen Meeresküste“ angeboten und dort für 9.000 € verkauft. Anschließend bewarb es die ebenfalls in München ansässige Kunsthandlung Kunkel Fine Art.

Seite eines Auktionskatalogs mit Gemälde von Ludwig von Hofmann, mit handschriftlichen Notizen

Eintrag des Gemäldes im Auktionskatalog der Firma Hugo Ruef 2012

Auktionskatalog der Firma Hugo Ruef, 2012

© Repro: Berlinische Galerie
Gemälde von Ludwig von Hofmann, Detailansicht der Rückseite

Die Aufschrift „Guttmann“ auf dem Keilrahmen des Gemäldes

© Repro: Kai-Annett Becker

Wo sich der „Reiter an der Felsenbucht“ vor 2012 befand, ist weitgehend ungeklärt. Über den auf dem Keilrahmen des Gemäldes noch schwach lesbaren Namen „Guttmann“ ließ sich recherchieren, dass es 1917 Teil der Sammlung des Kaufmanns Albrecht Guttmann (1845–1919) war, der in einer Villa Am kleinen Wannsee 2 lebte.

Am 18. Mai 1917 wurden mehr als 20 Werke der Sammlung Albrecht Guttmann in den Räumen von Paul Cassirer und Hugo Helbing, gelegen am Kurfürstendamm, zur Auktion gebracht. Darunter befanden sich bedeutende Gemälde von Claude Monet und Max Liebermann.

Gemälde von Max Liebermann, Öl auf Leinwand, 113 x 152 cm

Auch 1900 gemalt: Badende Knaben von Max Liebermann, heute in der Stiftung Stadtmuseum Berlin

Max Liebermann, Badende Knaben, 1900

© Urheberrechte am Werk erloschen, Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin
Gemälde von Claude Monet, Öl auf Leinwand, 65,4 × 92,6 cm

Heute im Art Institute of Chicago: Claude Monets Waterloo Bridge von 1900

Claude Monet, Waterloo Bridge, Gray Weather, 1900

© The Art Institute of Chicago, CC0 Public Domain Designation
Auktionskatalog, Detailansicht mit handschriftlichen Notizen

Ein wichtiger Hinweis: Der Name des Käufers ist in einem Auktionskatalog vermerkt.

Ausschnitt des Auktionskatalogs „Moderne Gemälde, die Sammlung Albrecht Guttmann […]“, 1917

© Universitätsbibliothek Heidelberg

„Reiter an der Felsenbucht“ wurde an diesem Tag als „Nackter Reiter“ angeboten. Notizen in einem in Zürich erhaltenen Auktionskatalog besagen, dass ein Wilhelm Caspari aus Berlin-Wilmersdorf das Gemälde für 2.050 Mark erwarb. Doch wer war Wilhelm Caspari?

Das Berliner Adressbuch von 1917 weist unter diesem Namen einen Juristen, ansässig auf der Grenze zwischen Grunewald und Schmargendorf (heute Wilmersdorf), sowie einen Arzt in Charlottenburg aus. Beide wurden nach 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt. Der Jurist starb 1936. Der Arzt, einer der wichtigsten deutschen  Krebsforscher seiner Zeit, kam 1944 im Ghetto Litzmannstadt zu Tode. War einer von ihnen der Käufer bei Cassirer und Helbing? Besaß er das Gemälde noch in den 1930er Jahren? Gab es einen NS-verfolgungsbedingten Entzug? Ist „Reiter an der Felsenbucht“ schließlich mit jenem nahezu gleich großen Werk identisch, das am 2. Juli 1936 im Berliner Auktionshaus Mandelbaum und Kronthal, ansässig auf der Kurfürstenstraße, als „Reiter am Strand“ mit dem Besitzer*innen-Kürzel M. S. zum Verkauf stand? Diese Fragen müssen durch weitere Forschungen dringend beantwortet werden.

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