Max Fleischer

Erstkommunion, 1886

Gemälde von Max Fleischer, Öl auf Leinwand, 166 x 222 cm

Max Fleischer (1861–1930), Erstkommunion, 1886

© Urheberrechte am Werk erloschen, Repro: Kai-Annett Becker
Gattung Gemälde
Material Öl auf Leinwand
Maße 166 x 222 cm
Signatur signiert und datiert unten links: Max Fleischer München 86

Forschungsstand

Die Provenienz ist geklärt. Das Werk gilt nicht als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut.

© Repro: Kai-Annett Becker

Ein Gemälde in Niederländisch-Ostindien

„Erstkommunion' ist eines von zwei lebensgroßen Figurenbildern, mit denen Max Fleischer sein Studium an der Münchener Kunstakademie abschloss. Die Berliner Akademie hatte er einige Jahre zuvor verlassen, da er sich durch seine stark ausgeprägte Individualität und seine eigene Auffassung dem kunstakademischen Zwange nicht fügen konnte und sich bei seinen Lehrern mißliebig gemacht hatte.“


in: Paul Friedeberger (Hrsg.): Geistige Welt. Biographische Sammlung aus dem Gebiete der Künste, Wissenschaften und Literatur, Berlin, o.J.

Fotografie: Mann sitzt vor Gemälde, in einem Atelierraum

Max Fleischer vor seinen Münchener Gemälden „Erste Communion“ und „Mondaine“, wohl 1886

Max Fleischer vor seinen Münchener Gemälden „Erste Communion“ und „Mondaine“, Fotograf*in unbekannt, wohl 1886

© Repro: Anja Elisabeth Witte

Von Juli bis Oktober 1887 wurde das Gemälde unter dem Titel „Erste Communion“ in der Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin gezeigt. Für Fleischer war die Präsentation mit einer zuvor nicht erfahrenen Anerkennung verbunden. Lobend schreibt die zeitgenössische Presse: 

„Max Fleischer zeigt sich mit seiner ‚ersten Kommunion‘ und dem lebensgroßen Bilde einer Modedame als ein sehr reifes Talent.“


Georg Voß: Die Berliner Kunstausstellung, in: Die Kunst für Alle, 2. Jahrgang, Heft 23, 1886–1887, S. 359 
 

Das Gemälde wurde in der Ausstellung zum Verkauf angeboten, ging aber an den Künstler zurück. 1909 wurde es 11.000 Kilometer von Berlin entfernt ein weiteres Mal gezeigt. In Batavia, der heutigen indonesischen Hauptstadt Jakarta, veranstaltete der Nederlandsch-Indische Kunstkring im Haus der Koninklijke Natuurkundige Vereeniging eine Ausstellung mit Gemälden und Aquarellen von Max Fleischer. Einige Jahre zuvor war ihm die niederländische Kolonie zu einer zweiten Heimat geworden.

Schwarz-Weiß-Fotografie: Frontansicht eines palastartigen Gebäudes

Das Ausstellungsgebäude der Berliner Kunstausstellung im Universum Landes-Ausstellungs-Park an der Invalidenstraße in Berlin-Moabit. Hier konnte Fleischer 1887 zwei Gemälde zeigen.

Fotograf*in unbekannt, Das Ausstellungsgebäude der Berliner Kunstausstellung im Universum Landes-Ausstellungs-Park an der Invalidenstraße in Berlin-Moabit, um 1885

© Repro: Anja Elisabeth Witte
Ausstellungskatalogseite mit Text, Druck, Papier

Katalog der Ausstellung von Max Fleischer in der Koninklijke Natuurkundige Vereeniging, Batavia. Unter Nummer 1 wird sein Gemälde „Erste Communion“ genannt.

Ausstellungskatalog von Werken Max Fleischers, die 1909 in Batavia (heute Jakarta/Indonesien) gezeigt wurden

© Repro: Anja Elisabeth Witte
Ausstellungskatalogseite mit Text: Aufzählung von Werken, Druck, Papier

(Seite 2)

Ausstellungskatalog von Werken Max Fleischers, die 1909 in Batavia (heute Jakarta/Indonesien) gezeigt wurden

© Repro: Anja Elisabeth Witte

Nach ersten ausgedehnten Auslandsreisen im Anschluss an die Berliner Ausstellung, mehrjährigen Aufenthalten in Frankreich und Italien, einem Studium der Geologie in Zürich und der Hinwendung zur Botanik war Fleischer 1898 zunächst zu Forschungszwecken nach Java aufgebrochen. 1901 heiratete er dort die Pianistin Marie Wiemans (1859–1941). An ihrer Seite etablierte er sich in der Hauptstadt des damaligen Niederländisch-Ostindien.

Detail einer Katalogseite mit Abbildung und Bildunterschrift

Ein aus gebatikter Seide gefertigter Fächer von Marie Wiemans und Max Fleischer-Wiemans, 1916 publiziert

Die Lese: aus Dichtung, Wissen und Leben. 9. Jahrgang, Drittes Märzheft, Nummer 11, 1916 (Ausschnitt)

© Repro: Berlinische Galerie

Gemeinsam mit seiner Frau erlernte er die Technik der traditionellen indonesischen Batik. Sie schufen viel beachtete kunstgewerbliche Objekte und engagierten sich dafür, indonesische Kultur nach Berlin zu bringen.

Als Max Fleischer-Wiemans hat der Künstler in dieser Zeit Adressen in Grunewald und in der Potsdamer Straße. In Berlin entstand 1906 auch eine ausdrucksstarke Christus-Darstellung.

Gemälde von Max Fleischer, Öl auf Leinwand, 90 x 182 cm

Die in Berlin entstandene „Pietà“ von 1906. Max Fleischer hat die Darstellung Jesu Christi nach der Kreuzabnahme vermutlich selbst so betitelt.

Max Fleischer, Ohne Titel (Liegender männlicher Leichnam), 1906

© Urheberrechte am Werk erloschen, Repro: Kai-Annett Becker

Max Fleischer starb 1930 in Menton an der Côte d’Azur. Noch 1926 hatte er seine zweite Frau, die auf Java geborene Niederländerin Pauline Haighton (1904–vermutlich 1978) geheiratet. Sein Nachlass verblieb in ihrem Besitz. Auf Vermittlung des deutschen Generalkonsulats in Amsterdam wurden Kunstwerke und Dokumente im Sommer 1978 aus Velp in Gelderland nach Berlin gebracht, um sie dem Land zu übereignen. Aus diesem Konvolut stammt „Erstkommunion“, das der Berlinischen Galerie geschenkt wurde.

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