Ludwig von Hofmann

Traumland, 1905

Gemälde von Ludwig von Hofmann, Öl auf Leinwand, 146 x 86 cm

Ludwig von Hofmann (1861–1945), Traumland, 1905

© Urheberrechte am Werk erloschen, Repro: Kai-Annett Becker
Gattung Gemälde
Material Öl auf Leinwand
Maße 146 x 86 cm
Signatur unten links: L v Hoffmann

Restauriert mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung

Forschungsstand

Die Provenienz ist ungeklärt und wird weiter erforscht.

© Repro: Kai-Annett Becker

Wo würden Sie beginnen?


„Das Leben ist wie eine Frühlingsnacht, so rätselhaft, so schwül. Bisweilen schwingt ein Vogel sich vom Baum und singt und lacht, dass unser Herz vor Sehnsucht fast zerspringt.“


Das vertonte Gedicht „Traumland“, das Paul Gutmann (1873–1953) in der Zeitschrift „Jugend“ 1886 veröffentlichte, liest sich wie eine lyrische Vorwegnahme jener Stimmung, die Ludwig von Hofmann 1905 in seinem gleichnamigen Gemälde zum Ausdruck brachte.

Die Wanderung dieses Werks begann in der zweiten Ausstellung, die der noch junge Deutsche Künstlerbund 1905 am Kurfürstendamm veranstaltete. „Traumland“ wurde im begleitenden Katalog unter der Nummer 71 aufgeführt und als verkäuflich ausgewiesen – und anschließend populär. Noch 1920 war es der Zeitschrift „Kunstwart und Kulturwart“, einem Magazin der Lebensreformbewegung, eine ganzseitige farbige Abbildung im Steindruck wert.
 

Abbildung eines Plakats zu zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes aus dem Jahr 1905

Thomas Theodor Heine gestaltete das Plakat zur zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes 1905 in Berlin, in der Ludwig von Hofmann sein „Traumland“ zeigte.

Thomas Theodor Heine: Plakat zur zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Berlin 1905

© Urheberrechte am Werk erloschen
Farbdruck des Kunstwerks "Traumland" in der Zeitschrift "Kunstwart und Kulturwart"

„Traumland“ als Farbdruck in der Zeitschrift „Kunstwart und Kulturwart“

„Traumland“ als Farbdruck in der Zeitschrift „Kunstwart und Kulturwart“

© Universitätsbibliothek Heidelberg /Kunst und Kulturwart, Heft 18, 1920
Text in der Zeitschrift "Kunstwart und Kulturwart"

„[…] ‚kitschig‘ wird es keiner nennen, den nicht die Modernitis plagt“, kommentierte der Beitrag „Unsre Bilder“, in: Kunstwart und Kulturwart, 33. Jahrgang, 17. Heft / 1. Juniheft 1920, S. 224.

Zeitschrift, Kunstwart und Kulturwart, 33. Jahrgang, 17. Heft / 1. Juniheft 1920, S. 224

© Universitätsbibliothek Heidelberg /Kunst und Kulturwart, Heft 18, 1920 / S. 224
Ein alter Aufkleber des Kunstvereins Hannover auf einem Keilrahmen

Ein alter Aufkleber des Kunstvereins Hannover auf dem Keilrahmen. Wurde das Gemälde auf einer seiner Ausstellungen gezeigt?

Ludwig von Hofmann, Traumland, 1905 (Rückseite, Detail)

© Repro: Kai-Annett Becker

Die Vielzahl der Provenienzmerkmale auf der Bildrückseite lässt vermuten, dass das Gemälde nach der Ausstellung 1905 durch viele Hände ging. Jeden Hinweis zuzuordnen und auszuwerten, ist eine laufende Aufgabe. Wo würden Sie Recherchen beginnen?

Ein Aufkleber mit der Abkürzung K.v.H. zwischen Kreidenummern oben links stammt vom Kunstverein Hannover. Fehlt der Nummer 202 eine Ziffer? Die meisten historischen Kataloge des Vereins befinden sich in der Bibliothek des Niedersächsischen Landesmuseums, Aktenbestände im Stadtarchiv Hannover und beim Kunstverein selbst. Wenn sich das Gemälde einer Ausstellung des Kunstvereins zuordnen lässt, kann daraufhin die Suche nach Akten zu den Leihgeber*innen beginnen. Wurde das Werk nicht vom Künstler selbst, sondern aus privater Hand überlassen, sind die Besitzer*innen zu recherchieren. Vielleicht lassen sich in den Akten auch Hinweise finden, dass „Traumland“ auf einer Ausstellung des Vereins verkauft wurde. Das würde ebenfalls zu einer Personensuche führen.
 

Auf der oberen Leiste des Keilrahmens befindet sich ein Aufkleber der Rahmenwerkstatt Theodor Zickendraht, die zwischen 1936 und 1943 in der Kronenstraße 17 in Berlin-Mitte ansässig war. Er könnte ein Hinweis darauf sein, dass „Traumland“ in diesem Zeitraum neu gerahmt wurde. Stand diese Erneuerung in Zusammenhang mit einem Verkauf? Hat Zickendraht nur Einrahmungen übernommen oder auch Gemälde verkauft? Haben sich Akten der Firma erhalten und ist „Traumland“ darin nachzuweisen? Über dem Etikett von Theodor Zickendraht klebt ein weiterer Zettel mit der handschriftlichen Notiz „Kiste Nr. 6“. Er lässt darauf schließen, dass das Gemälde einmal Teil eines größeren Transports war. Von wo nach wo und zu welchem Zweck?

Etikett der Firma Theodor Zickendraht auf einem Keilrahmen

Das Etikett der Firma Theodor Zickendraht. Fertigte sie nur einen neuen Schmuckrahmenrahmen?

Ludwig von Hofmann, Traumland, 1905 (Rückseite, Detail)

© Repro: Kai-Annett Becker
Aufschrift "Frühling" auf der Rückseite eines Keilrahmens

Auf dem Keilrahmen ist mit Bleistift „Frühling“ notiert.

© Repro: Kai-Annett Becker
Aufschrift der Jahreszahl 1911 auf der Rückseite eines Keilrahmens

Ist 1911 eine Jahreszahl, die einen Besitzer*innenwechsel anzeigt?

© Repro: Kai-Annett Becker

Auf der rechten Rahmenleiste ist der Schriftzug „Frühling“ zu lesen. Trug das Gemälde auch einmal diesen Titel? Wenn ja, wann? Auf der linken Leiste steht die Zahl „1911“. Meint sie das Jahr 1911 und steht damit in Zusammenhang mit einem Besitzer*innenwechsel?

In der Lost-Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste gibt es keine Suchmeldung, der „Traumland“ entspricht. Anders als das hier ebenfalls gezeigte Gemälde „Reiter an der Felsenbucht“ von Ludwig von Hofmann ist „Traumland“ nicht in einer Auktion vor 1945 nachzuweisen. 

Die Berlinische Galerie erwarb das Gemälde 1975 aus dem Besitz des Berliner Textilkaufmanns Willi Küpper. Er trug seine Sammlung seit den 1960er Jahren zusammen. Woher „Traumland“ in seinen Besitz kam, ist nicht bekannt.

Noch fehlen also konkrete Informationen zu den Stationen des Gemäldes seit 1905. Dennoch ist die Ausgangslage für die Erforschung der Provenienz gut. Für die weiteren Recherchen steht allerdings außer Frage, das diese neben dem Besuch von Archiven und der Auswertung von Dokumenten – etwa aus dem Nachlass von Ludwig von Hofmann – auch zu vielen Gesprächen mit Menschen führen werden, die vermutlich nicht ahnen, dass „Traumland“ vormals in den Händen ihrer Vorfahren war.
 

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