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Su Yu Hsin

Im IBB-Videoraum

Filmstill: Rückenansicht einer Person in weißem Schutz-Overall, die in einem abgeschlossenen Raum steht, an dessen langer Wand sich chromfarbene Wasserdrüsen befinden.

Su Yu Hsin, Particular Waters, 2023 (Still)

© Su Yu Hsin, Courtesy Su Yu Hsin and alexander levy

Su Yu Hsin folgt in der Trilogie „Particular Waters“ den materiellen Grundlagen digitaler Technologien. Im Mittelpunkt stehen Wasser, Wüste und Silizium – Ressourcen und Landschaften, ohne die Computerchips, Rechenzentren und Künstliche Intelligenz nicht existieren könnten. Statt digitale Infrastrukturen als abstrakte Technologien zu zeigen, richtet die Künstlerin den Blick auf ihre ökologischen und politischen Voraussetzungen.

Der erste Teil führt nach Hsinchu in Taiwan, wo ein großer Teil der weltweit benötigten Hochleistungshalbleiter produziert wird. Der Film fragt, woher die enormen Wassermengen für die Chipfertigung
stammen und wer Zugang zu dieser lebenswichtigen Ressource erhält. Aus der Perspektive einer Wasserlieferantin entfaltet sich die Geschichte der Dürre von 2021 und macht sichtbar, wie eng globale Lieferketten mit lokalen Wasserlandschaften verbunden sind.

Der zweite Teil verlagert den Blick in die Wüste Arizonas. Zunächst aus der Perspektive eines selbstfahrenden Autos, zeichnet er den Wandel einer trockenen Landschaft zu einem Zentrum der Halbleiterproduktion und des Cloud-Computings nach. Inspiriert durch das Gedicht „Cloud Song“ der Tohono O’odham-Dichterin Ofelia Zepeda nähert sich Su Yu Hsin dem Spannungsfeld zwischen den Versprechen technologischen Fortschritts und seinen ökologischen Folgen auf poetische Weise.

Der dritte Teil führt nach Dresden-Gittersee, wo die Geschichte des Bergbaus auf aktuelle Entwicklungen der Halbleiterindustrie trifft. Er verfolgt den Weg von Silizium – einem der wichtigsten Rohstoffe für Computerchips und Solarzellen – durch geologische Schichten, industrielle Produktionsprozesse und politische Umbrüche. Die Landschaft erzählt von der Förderung von Kohle und Uran ebenso wie von den Zukunftsversprechen des heutigen „Silicon Saxony“ und macht sichtbar, wie regionale Geschichte mit globalen Rohstofflieferketten verflochten ist.

Trailer

Über die Künstlerin

Su Yu Hsin wurde 1989 in Taichung (Taiwan) geboren. Sie studierte an der Shih-Chien-Universität in Taipeh, am Royal College of Art in London und an der Hochschule
für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2023 erhielt sie den 26. Bundespreis für Kunststudierende. Ihre Arbeiten wurden u.a. in der Kunsthalle Winterthur, GfZK Leipzig, Sculpture Center New York, Taipeh Fine Arts Museum, Kunsthalle Baden-Baden und Centre Pompidou-Metz gezeigt. Sie lebt in Berlin und Taipeh.

IBB-Videoraum

Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler*innen präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen Videokunst, sondern auch junge Positionen, die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller Auftritt ermöglicht werden.

Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen sichtbar zu machen.