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Mila Zhluktenko
& Daniel Asadi Faezi

Im IBB-Videoraum

Filmstill: Seitlicher Blick auf eine ältere Person, die mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor dem Wrack eines Bootes steht und in die Ferne blickt.

Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko, Aralkum, 2022

© Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko, Courtesy Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko

rückblickend betrachtet (2025)

„rückblickend betrachtet“ (2025, 14 Min.) verbindet drei Zeitebenen: Das Münchner Olympia-Einkaufszentrum wurde in den 1970er Jahren maßgeblich durch sogenannte Gastarbeiter*innen gebaut und galt damals als das größte Einkaufszentrum Europas. 1982 drehte der iranische Regisseur Sohrab Shahid Saless den Film „Empfänger unbekannt“. Er reagierte damit auf die zunehmend sichtbaren Anfeindungen gegen als „fremd“ markierte Menschen in der Bundesrepublik. 2016 wurden im Olympia-Einkaufszentrum bei einem rechtsterroristischen Anschlag neun Menschen ermordet. Zhluktenko und Asadi Faezi verknüpfen diese Ebenen miteinander und zeigen, dass rassistische Gewalt kein isoliertes Ereignis ist, sondern Teil einer andauernden Kontinuität.

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Aralkum (2022)

„Aralkum“ (2022, 14 Min.) ist die erste Videoarbeit von Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi, die sie gemeinsam in Co-Regie realisierten. Das Werk setzt dem Aralsee ein Denkmal: Bis in die 1960er Jahre war er der viertgrößte Binnensee der Welt, doch heute ist er beinahe vollständig ausgetrocknet. Seine Verwandlung in eine karge Wüstenlandschaft ist besonders in der Grenzregion zwischen Kasachstan und Usbekistan sichtbar. Hier, wo einst Wasser war, erstreckt sich heute die jüngste Wüste der Erde – die titelgebende „Aralkum“. Das Video macht eindrücklich erfahrbar, wie menschliches Handeln, nämlich die destruktive Bewässerungspolitik der Sowjetunion für ihre Baum-wollproduktion, ein ganzes Ökosystem samt seiner Lebewesen nach und nach zerstört hat. Die beiden Filmemacher*innen verweben Archivmaterial und aktuelle Aufnahmen: Naturaufnahmen, die trotz der Katastrophe von betörender Schönheit sind, stehen neben alltäglichen Familienszenen und Bildern von Tierpräparaten.

Die Künstler*innen

Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi studierten Dokumentarfilm an der HFF München. Ihre Filme wurden auf diversen internationalen Festivals gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet, darunter den Preis für den besten Kurzfilm bei Visions du Réel für „Aralkum“. „rückblickend betrachtet“ feierte seine Premiere auf der 75. Berlinale und wurde mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

IBB-Videoraum

Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler*innen präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen Videokunst, sondern auch junge Positionen, die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller Auftritt ermöglicht werden.

Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen sichtbar zu machen.