

Im Rahmen ihres Festivals „3hd 2026“ ist Creamcake mit einem Videoprogramm zu Gast in der Berlinischen Galerie. Unter dem Titel „Beyond Imagining“ beschäftigt sich das Festival mit einer Welt, in der Realität und Fiktion zunehmend verschwimmen und Bilder von Gewalt und Krisen unsere Wahrnehmung abstumpfen lassen. Es hinterfragt, wie Bilder, Worte und Gesten Bedeutung und Macht erlangen, und lädt dazu ein, gewohnte Denkweisen und gesellschaftliche Systeme kritisch zu betrachten. Das Filmprogramm setzt sich damit auseinander, dass Zuschauen nie neutral ist. Vier Werke von vier Künstler*innen stellen jeweils eine einzelne Figur – real oder erfunden – einer Kraft gegenüber, die sich ihrer Kontrolle entzieht. Der Staat. Die Menge. Die Kamera. Die Institution. Found Footage und Essayfilm, Allegorie und Verkörperung zeichnen nach, woran erinnert wird und wer die Schuld am Vergessen trägt.
Sara Sadiks „Ultimate Vatos: Force & Honneur“ (23 Min.) begleitet Zabuza, der in einem fiktiven Militärprogramm zum „ultimativen Mann“ ausgebildet wird und dabei Isolation, Überwachung und körperliche Herausforderungen erlebt. Mittels wechselnder Kameraperspektiven und einem persönlichen Voiceover des Protagonisten werden der äußere Druck sowie seine Gefühle von Einsamkeit, Stress und Angst sichtbar. So konfrontiert die Arbeit stereotype Vorstellungen von Stärke und Härte mit Verletzlichkeit und Unsicherheit. Durch Zabuzas inneren Monolog zeigt der Film, wie marginalisierte Menschen Widerstand, Solidarität und gegenseitige Fürsorge als Mittel des Überlebens und der Selbstbehauptung entwickeln.
Vika Kirchenbauers „This Suffocating Now“ (16 Min.) thematisiert zunehmend faschistische Tendenzen, die die Künstlerin im heutigen Deutschland ausmacht. Im Zentrum stehen die Solidarität mit Palästina, die Rechte queerer und trans Personen sowie Gewalt und Diskriminierung, die die repressiven Grundströmungen einer vermeintlich liberalen Gesellschaft offenlegen. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen mit geschlechtsbezogener Diskriminierung im medizinischen Bereich verbindet das Video Archivmaterial mit Aufnahmen, die die Künstlerin auf Demonstrationen und im privaten Alltag gemacht hat. Es untersucht das Verhältnis von Staatsmacht und zeitgenössischer Kunst und zieht Parallelen zu den autoritären Dynamiken vor der nationalsozialistischen Machtübernahme.
Simone C Niquilles „The Fragility of Life“ (24 Min.) ist ein Kurzfilm, der Teresa Barnwell, eine Hillary-Clinton-Doppelgängerin, in den letzten Tagen vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 begleitet. „The Fragility of Life“ fragt danach, wie sich in einer Zeit visueller Übersättigung über das eigene Bild bestimmen lässt: Virale Bilder, Fake News, die massenhafte Verbreitung von Informationen und vernetzte Kameras erzeugen eine Eigendynamik, die die Integrität von Identität, Privatsphäre und persönlichen Daten bedroht.
Simona Andriolettis „Defence. What do you do with your anger?“ (10 Min.) ist eine Found-Footage-Collage. Sie zeigt eine Abfolge von Situationen, in denen Menschen auf unterschiedliche Weise versuchen, sich gegen körperliche, emotionale und umweltbedingte Unterdrückung zu wehren. Letztlich bleiben diese Versuche erfolglos. Das verwendete Material wurde mit einem Smartphone von einem Computermonitor abgefilmt. Diese zusätzliche Ebene der Medialisierung reproduziert bewusst den Voyeurismus und die Schadenfreude, die bereits im ursprünglichen Material angelegt sind. Dass gefilmt statt eingegriffen wird, ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit: eine Form passiver Beteiligung, bei der das Beobachten von Leid in Unterhaltung verwandelt wird.
Creamcake (CC) ist eine interdisziplinäre Plattform aus Berlin, die an der Schnittstelle zwischen elektronischer Musik, zeitgenössischer Kunst und digitalen Technologien tätig ist. CC organisiert Performances, Ausstellungen, Clubnächte, Konzerte, digitale Auftragsarbeiten und Workshops. Weitere Informationen: 3hd-festival.com und 3hd.tv.
Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler*innen präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen Videokunst, sondern auch junge Positionen, die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller Auftritt ermöglicht werden.
Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen sichtbar zu machen.
Pressebilder
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Sara Sadik, Ultimate Vatos: Force & Honneur, 2022 (JPG, 1 MB)
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Simone C Niquille, The Fragility of Life, 2017 (JPG, 125 KB)
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Simona Andrioletti, Defence. What do you do with your anger?, 2020 © Courtesy Simone C Niquille (JPG, 112 KB)
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Vika Kirchenbauer, This Suffocating Now, 2026 (JPG, 849 KB)
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