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Igor Vidor

Im IBB-Videoraum

Igor Vidor untersucht Mechanismen von Unterdrückung und Macht und ihre Manifestation in Objekten oder sozialen Codes in unterschiedlichen, meist urbanen Kontexten in Brasilien. In Skulpturen, Performances und Videos zeigt er Zeichen von tief verwurzelter Gewalt sowie sozialer Ungerechtigkeit im alltäglichen Leben der Menschen.

Igor Vidor, A Praga, 2020, Still.
Igor Vidor, A Praga, 2020, Still.
© Igor Vidor

Er reflektiert wie sich diese Verhältnisse durch die Politik in Brasilien immerwährend wiederholen. Seine neuen Arbeiten analysieren den Einfluss und die Verantwortung der USA sowie europäischer Länder an der Verbreitung von Gewalt in Brasilien und Lateinamerika durch die Produktion und den Handel von Waffen. In der Berlinischen Galerie werden „v.a. 4598 (Rio Olympics)“ (2016, 15 Min.), „Carne e Agonia“ (Fleisch und Agonie) (2018, 9:38 Min.) sowie eine neue Arbeit „A Praga“ (Die Plage) (2020) präsentiert.

„v.a. 4598 (Rio Olympics)“ zeigt den Künstler in einer ruinenhaften Landschaft. Während der Bauarbeiten für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro wurden tausende Familien der Vila Autódromo dazu gezwungen, ihre Wohnungen für immer zu verlassen. Die Häuser wurden abgerissen, um Raum für die Sportveranstaltung zu schaffen. Vidor begleitete diesen Prozess innerhalb von zwei Jahren und entwickelte gemeinsam mit den Einwohner*innen eine Video-Performance.

Für „Carne e Agonia“ (Fleisch und Agonie) wurden Drogenhändler*innen und Polizist*innen die gleichen Fragen gestellt. Ihre Antworten offenbaren ähnliche Aussagen im Gewaltszenario des sogenannten „Krieg gegen Drogen“. Die Bilder in Zeitlupe zeigen eine Reihe von Geschosseinschlägen auf ballistische Gelatine. Diese kriminaltechnischen Versuche werden von Munitionsfirmen durchgeführt, um zu testen, wie tödlich die Waffen sind, und wie diese verbessert werden können.

„A Praga“ (Die Plage) stellt Aufnahmen aus Oberndorf am Neckar in Baden-Württemberg und vom Künstler gesammelte Ausschnitte von Polizeieinsätzen gegenüber. Der Film untersucht die fatalen Verbindungen zwischen der deutschen Kleinstadt, der dort ansässigen Waffenindustrie und dem über hundert Jahre währenden Export von Gewalt ins Ausland durch deutsche Waffen.

Biografie

Igor Vidor (*1985, São Paulo, Brasilien) hat am Centro Universitário Belas Artes in São Paulo studiert. Er hat jahrelang im Bereich Bildung und Vermittlung im Museu de Arte do Rio (MAR) gearbeitet. Seine Arbeiten wurden in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt u.a. im Künstlerhaus Bethanien (2020); Pérez Art Museum Miami (2018); Mercosul Biennale (2018); Sesc 24 de Maio, São Paulo (2017); Museu Histórico Nacional, Rio de Janeiro (2017) und Museu de Arte do Rio (MAR) (2016). Seit 2019 lebt Igor Vidor in Berlin und ist artist-in-residency im Künstlerhaus Bethanien.

Igor Vidor, v.a. 4598 (Rio Olympics), 2016, 15 Min. (extract)

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