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Hallen 07

Jeewi Lee

Jeewi Lee, Ashes to Ashes, 2019 – 2021

Jeewi Lee, Ashes to Ashes (Detail, exhibition view "Revision", Städtische Galerie Ostfildern, 2021), 2019-21

© Jeewi Lee, Photo: Jürgen Bubeck

Die Berlinische Galerie präsentiert im Rahmen des Kunstfestivals Hallen 07 der Wilhelm Hallen vom 5.9. bis 13.9.2026 die Arbeit „Ashes to Ashes“ (2019 – 2021) der koreanischen Künstlerin Jeewi Lee. Das Werk entstand im Anschluss an ein Stipendium in der Villa Romana in Florenz. Inhaltlich bezieht es sich auf einen Waldbrand, der 2018 während ihres Aufenthalts in der Region auf dem Monte Serra in der italienischen Provinz Pisa 700 Hektar Bergwald zerstörte. Die Künstlerin reiste in diese Landschaft, fotografierte die apokalyptische Szenerie, die in starkem Kontrast zum romantischen Bild der Toskana stand, und sammelte Überreste des zerstörerischen Ereignisses. Hieraus entstand eine Grafikserie mit Abdrucken verkohlter Baumstämme und eine Installation aus Seifenstücken, die Jeewi Lee mit einer Seifenmacherin aus Asche und Kohlepartikeln der verbrannten Bäume anfertigte. Jedes Seifenobjekt ist mit dem individuellen Abdruck eines verkohlten Fragments der Bäume versehen.

Monte Serra nach dem Waldbrand, Februar 2019

Jeewi Lee, Ashes to Ashes (Foto), 2019-21

© Jeewi Lee

Die Seifenstücke verweisen auf die reinigende Wirkung von Asche, die, mit Öl vermischt, als schwarze Seife bereits in der Antike zu Reinigungszwecken verwendet wurde. Der Titel spielt auf den liturgischen Begräbnis-Spruch: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“ an. Er kann als Abschiedsritual für die verschwundenen Bäume verstanden werden, betont aber auch den Kreislauf der sich ständig erneuernden Natur. Asche als letzte materiale Spur der verbrannten Bäume düngt zugleich wieder den Boden und birgt damit das Potential und die Kraft in sich, neues Leben zu erschaffen.

Ergänzt wird die Präsentation in einem zweiten Raum mit Skulpturen und Siebdrucken einer Werkreihe, die seit 2024 in Zusammenarbeit mit dem Geometrieforscher Phillip C. Reiner entsteht. Jeewi Lee beschäftigt sich in der Reihe mit Sandkörnern unterschiedlicher Küstenregionen, die sie mittels Nano-CT scannt, in einem komplexen Prozess digital bearbeitet und im 3D-Druck – bis zu dreitausendfach vergrößert – künstlerisch übersetzt. Die entstandenen Skulpturen bilden die ausgewählten Körner bis ins kleinste Detail nach und wirken wie koreanische Gelehrtensteine (Suseok), besonders geformte Steine, die an Miniaturlandschaften, Berge oder Tiere erinnern. In einer weiteren Serie nutzen Jeewi Lee und Phillip C. Reiner die bei den Scanverfahren entstandenen Querschnitte der Körner, um die Dichte und innere Zusammensetzung der Sandkörner als charakteristische, ortsspezifische Merkmale sichtbar werden zu lassen.

Die ausgestellten Arbeiten spannen einen Bogen zu der Ausstellung „Residual Memories“, die anlässlich des GASAG Kunstpreises 2026 im Rahmen der Berlin Art Week am 10.9.26 in der Berlinischen Galerie eröffnet. Dort verbindet Jeewi Lee großformatige Fassungen der Sandskulpturen mit weiteren Sandarbeiten zu einer immersiven dystopisch-kontemplativen Landschaft, die an die Gestaltung asiatischer Gärten erinnert.

Jeewi Lee, Fragment_Sa Ràpita 23_41, 2024

Jeewi Lee, Fragment_Sa Ràpita 23_41, 2024

© Jeewi Lee & Phillip C. Reiner, Foto: Marcus Schneider

Über die Künstlerin

Jeewi Lee (*1987 in Seoul, Südkorea) studierte Malerei an der Universität der Künste Berlin sowie am Hunter College in New York. Seit 2015 wurde sie in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. 2018 erhielt sie den Kunstpreis Villa Romana, 2021 den Kunstpreis Junger Westen und 2025 das Stipendium Villa Aurora. Jeewi Lee lebt und arbeitet in Berlin.