„Search for Life I“ (2024, 20 Min.) ist eine visuelle Erkundung globaler Mobilität. Die Arbeit folgt historischen Schifffahrtsrouten, die seit der Kolonialisierung der Philippinen bestehen und heute vom weltweiten Containerhandel genutzt werden. Im Zentrum stehen die Lebensrealitäten ehemaliger philippinischer Seeleute: des Künstlers Joar Songcuya und des Floristen Michael John Díaz. Ihre Biografien werden mit Stimmen der Historikerin Guadalupe Pinzón Ríos und der Schmetterlingsforscherin Jade Aster T. Badon verwoben. Als verbindendes Motiv dient der Monarchfalter, dessen weite Wanderung zur Metapher für Transformation und generationsübergreifende Resilienz wird. Die Arbeit verschränkt persönliche Erzählungen und poetische Bilder zu einer Reflexion über Diaspora, kollektivem Gedächtnis und Zugehörigkeit.
In ihren Werken setzt sich Stephanie Comilang mit Themen wie Arbeit, Technologie und postkolonialen Verflechtungen im Kontext globaler Mobilität auseinander. Dafür verknüpft sie dokumentarische Aufnahmen, fiktionale Elemente und persönliche Erzählungen. Die Arbeiten nennt sie selbst „Science-Fiction-Dokumentationen“.
Stephanie Comilang, Come to Me, Paradise, 2017
© Stephanie ComilangCourtesy the Artist and ChertLüdde, Berlin
In „Lumapit Sa Akin, Paraiso“ („Come to Me, Paradise“) (2017, 26 Min.) wird der Stadtraum Hongkongs aus der Perspektive philippinischer Migrantinnen gedacht. Erzählt wird aus der Sicht von Paraiso, einem von einer Drohne verkörperten Geist, der von Entwurzelung, Isolation und der Suche nach Sinn berichtet. An Sonntagen, wenn sich tausende Frauen im Finanzdistrikt versammeln, entsteht ein temporärer Raum der Fürsorge, Gemeinschaft und Selbstbestimmung – jenseits der Haushalte, in denen sie arbeiten und leben. Erst diese kollektive Präsenz ermöglicht Paraiso, seine Aufgabe zu erfüllen: die Bilder, Stimmen und Botschaften der Frauen in die Ferne zu übertragen. Der Film verbindet dystopische Architektur, digitale Technologien und intime Gesten zu einer vielschichtigen Betrachtung von Migration, öffentlichem Raum und Verbundenheit.
Stephanie Comilang, Search for Life I, 2024
© Stephanie ComilangCourtesy the Artist and ChertLüdde, Berlin and Daniel Faria, Toronto and Fundación TBA21, Madrid
Die Künstlerin
Stephanie Comilang (*1980, Toronto) ist eine philippinisch-kanadische Künstlerin, die in Berlin lebt. Sie studierte am Ontario College of Art & Design und hatte kürzlich Einzelausstellungen u.a. in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, der National Gallery of Canada, Ottawa und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid.
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Zum TicketshopIBB-Videoraum
Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler*innen präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen Videokunst, sondern auch junge Positionen, die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller Auftritt ermöglicht werden.
Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen sichtbar zu machen.
Der IBB-Videoraum in der Berlinischen Galerie
© Noshe