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Stephanie
Comilang

Im IBB-Videoraum

Video still: Gruppe von Menschen im Freien mit blauen Pompons, einige kniend und andere stehend, vor einem Riesenrad und Hochhäusern in einer Stadtlandschaft.

Stephanie Comilang, Come to Me, Paradise, 2017

© Stephanie Comilang
Courtesy the Artist and ChertLüdde, Berlin

In ihren Werken setzt sich Stephanie Comilang mit Themen wie Arbeit, Technologie und postkolonialen Verflechtungen im Kontext globaler Mobilität auseinander. Dafür verknüpft sie dokumentarische Aufnahmen, fiktionale Elemente und persönliche Erzählungen. Die Arbeiten nennt sie selbst „Science-Fiction-Dokumentationen“.

Film still: Zwei junge Frauen, die auf einem gepflasterten Außenplatz vor einem Gebäude mit grauen Rolltoren sitzen. Beide tragen helle Rollkragenpullover und Jeans. Die Frau im Vordergrund sitzt mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden und scheint ihre Kleidung zu richten, während die andere Frau leicht hinter ihr sitzt und zu ihr hinabsieht. Die Szene ist in entsättigten, kühlen Tönen gehalten.

Stephanie Comilang, Come to Me, Paradise, 2017

© Stephanie Comilang
Courtesy the Artist and ChertLüdde, Berlin

„Search for Life I“ (2024, 20 Min.) ist eine visuelle Erkundung globaler Mobilität. Die Arbeit folgt historischen Schifffahrtsrouten, die seit der Kolonialisierung der Philippinen bestehen und heute vom weltweiten Containerhandel genutzt werden. Im Zentrum stehen die Lebensrealitäten ehemaliger philippinischer Seeleute: des Künstlers Joar Songcuya und des Floristen Michael John Díaz. Ihre Biografien werden mit Stimmen der Historikerin Guadalupe Pinzón Ríos und der Schmetterlingsforscherin Jade Aster T. Badon verwoben. Als verbindendes Motiv dient der Monarchfalter, dessen weite Wanderung zur Metapher für Transformation und generationsübergreifende Resilienz wird. Die Arbeit verschränkt persönliche Erzählungen und poetische Bilder zu einer Reflexion über Diaspora, kollektivem Gedächtnis und Zugehörigkeit.

In „Lumapit Sa Akin, Paraiso“ („Come to Me, Paradise“) (2017, 26 Min.) wird der Stadtraum Hongkongs aus der Perspektive philippinischer Migrantinnen gedacht. Erzählt wird aus der Sicht von Paraiso, einem von einer Drohne verkörperten Geist, der von Entwurzelung, Isolation und der Suche nach Sinn berichtet. An Sonntagen, wenn sich tausende Frauen im Finanzdistrikt versammeln, entsteht ein temporärer Raum der Fürsorge, Gemeinschaft und Selbstbestimmung – jenseits der Haushalte, in denen sie arbeiten und leben. Erst diese kollektive Präsenz ermöglicht Paraiso, seine Aufgabe zu erfüllen: die Bilder, Stimmen und Botschaften der Frauen in die Ferne zu übertragen. Der Film verbindet dystopische Architektur, digitale Technologien und intime Gesten zu einer vielschichtigen Betrachtung von Migration, öffentlichem Raum und Verbundenheit.

Film still: Ein extremes Nahaufnahmedetail zeigt einen orange-schwarzen Falter, der an dünnen, trockenen Grashalmen klammert. Die Szene ist in warmes, goldenes Licht getaucht, wobei der Hintergrund in einer weichen Unschärfe verschwimmt. Die Flügel des Schmetterlings sind teilweise zusammengeklappt, und der Fokus liegt scharf auf der Textur der Flügel und den filigranen Stielen.

Stephanie Comilang, Search for Life I, 2024

© Stephanie Comilang
Courtesy the Artist and ChertLüdde, Berlin and Daniel Faria, Toronto and Fundación TBA21, Madrid

Die Künstlerin

Stephanie Comilang (*1980, Toronto) ist eine philippinisch-kanadische Künstlerin, die in Berlin lebt. Sie studierte am Ontario College of Art & Design und hatte kürzlich Einzelausstellungen u.a. in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, der National Gallery of Canada, Ottawa und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid.

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IBB-Videoraum

Im IBB-Videoraum werden seit 2011 Künstler*innen präsentiert, die mit zeitbasierten Medien arbeiten. Das Programm umfasst nicht nur etablierte Namen der zeitgenössischen Videokunst, sondern auch junge Positionen, die bisher kaum in Museen zu sehen waren. Ihnen soll in der Berlinischen Galerie ein erster institutioneller Auftritt ermöglicht werden.

Jedes Screening erlaubt eine neue Auseinandersetzung mit Werken, die mediale oder auch politische und soziale Fragestellungen anstoßen. Besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, marginalisierten Perspektiven Raum zu geben und Auswirkungen von Machtstrukturen sichtbar zu machen.

Foto: Eine halbrunde Tribüne mit drei Stufen als Sitzfläche gegenüber einer raumhohen Filmprojektion in einem schwarzen Raum.

Der IBB-Videoraum in der Berlinischen Galerie

© Noshe