Hinter den Kulissen

Depotführung
© Daniel Müller

Das Depot

Schatzkammer mit High-Tech-Ausstattung


Ein Museumsdepot stellt man sich meist als etwas staubigen Ort vor, an dem die Zeit stehengeblieben ist und den so gut wie nie ein Mensch betritt. Mit der Wirklichkeit eines modernen Museums hat diese Vorstellung aber nichts zu tun. Das Depot eines Kunstmuseums mit internationalem Ausstellungs- und Leihverkehr ist ein klimatisierter Hochsicherheitstrakt, der rund um die Uhr bewacht wird. Das gilt auch für die Depots der Berlinischen Galerie. Ausgestattet mit modernsten Anlagen zur Klimasteuerung, Einbruchsicherung und zum Brandschutz lagern hier auf 3.000 Quadratmetern weit über 200.000 Werke. Lagersysteme wie Ziehgitteranlagen, motorisierte Kompaktanlagen und eine digitale Objektverwaltung sorgen für optimales Handling. Der ständige Zuwachs von Kunstwerken in Museen führt dazu, dass es über die Jahre eng wird in den Depots und neue Lösungen zur Aufbewahrung der Werke gefunden werden müssen.

Aber natürlich ist das Depot – trotz der modernen digitalen Erschließung – immer noch ein geheimnisvoller, poetischer Ort. In ihm schlummert eine Vielzahl an möglichen Ausstellungen. Hier warten Werke schon seit Jahren und Jahrzehnten darauf, wiederentdeckt und in einem künftigen Ausstellungskontext gezeigt oder wenigstens fotografiert zu werden. Ausgewählte Bestände der Berlinischen Galerie, darunter Hauptwerke der Sammlung Bildende Kunst, wurden übrigens bereits in einem großen Projekt digital aufgenommen.

Die Restaurierung

Vivaldi oder Techno?


Im Leben eines Kunstwerks kann einiges passieren, auch wenn es erst wenige Jahre alt ist. Ölgemälde mit Fehlstellen, Kunststoffobjekte, die sich langsam verformen, Collagen, die auseinanderfallen oder Fotografien, auf denen kaum noch etwas zu erkennen ist – um solche schwierigen Fälle kümmern sich die Restaurator*innen der Berlinischen Galerie. Wer bei diesem Beruf an weiße Kittel und gedämpfte Barockmusik in der Werkstatt denkt, liegt jedoch vollkommen falsch. Eher passt treibender Elektro-Beat zum Arbeitsalltag unserer Mitarbeiter*innen der Restaurierung. Ohne sie geht nichts im Museum.

Die Restaurator*innen machen nicht nur beschädigte Werke wieder fit für die nächste Präsentation, sondern begleiten auch den Auf- und Abbau der Ausstellungen. Jedes Exponat wird sorgfältig untersucht und protokolliert, bevor es aufgehängt oder aufgestellt wird. Kleinste Veränderungen während des Transports oder der Laufzeit der Ausstellung müssen genau festgehalten werden, denn es geht um hohe Versicherungswerte und um das Vertrauen der Leihgeber, die uns ihre Kunst für Sonderausstellungen zur Verfügung stellen. Beim Installieren der Werke haben die Restaurator*innen darum auch ein strenges Auge darauf, dass alle Exponate optimal und sicher präsentiert werden. Bei Papierarbeiten achten sie zum Beispiel auf die Lichtstärke, damit sich die Blätter nicht verfärben, oder sorgen dafür, dass empfindliche Bilder und Skulpturen durch Glas geschützt werden. Wenn am Ende die Restaurator*innen den Daumen heben, steht der Eröffnung nichts mehr im Weg – und vielleicht läuft auf der Opening-Party dann auch Techno.

Rayna Patton, Enkelin von Richard Neuhäuser (Auftraggeber der Gemälde) und Dr. Stefanie Heckmann, Leiterin Sammlung Bildende Kunst Berlinische Galerie, vor dem Zyklus "Tempeltanz der Seele" von Fidus (Hugo Höppener), © Foto: Ralf Herzig, © Fidus, VG BILD-KUNST Bonn, 2017
© Foto: Ralf Herzig, © Fidus, VG BILD-KUNST Bonn, 2017

Provenienzforschung

Detektivarbeit im Archiv


Spürsinn ist gefragt, wenn man als Provenienzforscher*in arbeitet. Die Suche nach Informationen zur Herkunft von Kunstwerken ist echte Detektivarbeit. Für viele Museen geht es dabei vor allem um die Frage, ob sich in ihren Sammlungen Werke befinden, die ihren Eigentümer*innen im Nationalsozialismus geraubt oder abgepresst wurden. Um das herauszufinden sind oft umfangreiche Recherchen nötig, und das ist manchmal spannend wie ein Krimi. „Tempeltanz der Seele“ des deutschen Jungendstilkünstlers Fidus, mit bürgerlichem Namen Hugo Höppener (1868–1948), war in der Berlinischen Galerie so ein Fall.

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