Jussuf Abbo

Arbeiten auf Papier in der Dauerausstellung

2016 kam es zu einer Schenkung seitens der Familie des Bildhauers Jussuf Abbo (1888 – 1953). Die Berlinische Galerie präsentiert nun in der Dauerausstellung Arbeiten aus den Jahren zwischen 1916 und 1929.

Jussuf Abbo, Ohne Titel (Frauenkopf mit roten Lippen im Profil), um 1920
Jussuf Abbo, Ohne Titel (Frauenkopf mit roten Lippen im Profil), um 1920
© Angela Abbo, Brighton/UK, Repro: Kai-Annett Becker

Seit ihrer Gründung vor 45 Jahren setzt sich die Berlinische Galerie für die vom Nationalsozialismus verfemte und vertriebene Kunst ein. Diese dem Vergessen zu entreißen und im kulturellen Gedächtnis lebendig zu halten, ist ein kontinuierliches Anliegen unserer Praxis des Sammelns, Ausstellens und Vermittelns. Ankäufe von Kunst des Expressionismus oder der Neuen Sachlichkeit sind jedoch nur selten möglich und gelingen meist nur durch großzügige finanzielle Hilfe seitens des Senats oder privater Förderer. Umso glücklicher sind Schenkungen durch Nachkommen verfolgter und emigrierter Künstler*innen.

2016 kam es zu einer Schenkung seitens der Familie des Bildhauers Jussuf Abbo (1888 – 1953), die in Großbritannien und Frankreich lebt. Der Kontakt wurde von der Direktorin des Kunsthauses Dahlem, Dr. Dorothea Schöne, hergestellt. Sie hatte 2019 eine reich bebilderte wissenschaftliche Monografie über Leben und Werk Abbos vorgelegt und jüngst die erste Einzelausstellung im Kunsthaus Dahlem präsentiert.

Jussuf Abbo in Berlin

Wer war Jussuf Abbo? Sein Geburtsort Safed in der Provinz Beirut gehörte erst zum Osmanischen Reich, später zu Palästina, heute zu Israel. Nach seinem Schulabschluss arbeitete Abbo als Steinmetz und Zeichner. In Jerusalem lernte er den Architekten Otto Hoffmann kennen, auf dessen Empfehlung er 1913 an der Akademie in Berlin ein Studium der Bildhauerei aufnahm. 1917 stellte Abbo in der Berliner Secession aus. 1919 beteiligte er sich an Ausstellungen des Kunsthändlers Paul Cassirer. 1921 erwarb die Nationalgalerie drei Zeichnungen. Mit seinen plastischen Figuren und Porträts von strenger, einfacher Form wurde er in den 1920er Jahren erfolgreich und war Teil des künstlerischen und literarischen Berlin. Eine enge Freundschaft verband ihn mit der Dichterin Else Lasker-Schüler.

In Berlin wohnte und arbeitete Jussuf Abbo im Tiergarten-Viertel, direkt am Landwehrkanal. Heute befindet sich unter der Adresse Reichpietschufer 92 ein Neubau, an dem seit 2018 eine Gedenktafel an den vergessenen Künstler erinnert. Damals hatte Abbo in seinem Atelier ein Beduinenzelt aufgebaut, das Else Lasker-Schüler anmietete, um ihren kranken Sohn dort zu pflegen, der 1927 an Tuberkulose starb. 1933 lernte Jussuf Abbo die Künstlerin Ruth Schulz kennen. Die Judenverfolgung zwang das Paar bald darauf, Deutschland zu verlassen. 1935 gelang die Ausreise nach England. Die anfänglichen Hoffnungen auf gute Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten wurden jedoch enttäuscht. Jussuf Abbo starb 1953 verarmt in London.

Es war ein Anliegen des Enkels Sebastian Abbo, stellvertretend für seine hochbetagte Mutter dafür zu sorgen, Werke des Bildhauers in eine öffentliche Sammlung nach Berlin zurück zu bringen. Gemeinsam mit ihm konnte die Leiterin der Grafischen Sammlung der Berlinischen Galerie, Dr. Annelie Lütgens, 20 Arbeiten auf Papier aus den Jahren zwischen 1916 und 1929 auswählen. Von diesen sind nun einige in der Dauerausstellung zu sehen, darunter auch das Porträt von Else Lasker-Schüler, die sich auch „Prinz Yussuf“ nannte.

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