Tastmodell

Zitate aus der Geschichte

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 realisierten Aldo Rossi und Gianni Braghieri das Wohn- und Geschäftshaus an der Wilhelmstraße Ecke Kochstraße. Die rote Klinkerfassade verweist mit ihrer streng geometrisch angelegten Struktur auch auf die Architektur der Moderne. Die Planer ergänzten diese um spielerische Elemente: Sechs Treppenhäuser mit spitzen Giebeldächern und grüner Metallverblendung strukturieren den gesamten Komplex. Eine überdimensionierte weiße Säule ohne tragende Funktion markiert die Ecke des L-förmigen Baukörpers.

Die im Tastmodell gelb gefärbten Treppenhäuser und die Säule lassen sich herausschieben. Die einzelnen in schwarz gehaltenen Blöcke des Gebäudes können dann verbunden werden. So zeigt sich der spielerische Umgang der
„Postmoderne“ mit der schlichten Funktionalität der „Moderne“.

Modell+Design, Technische Universität Berlin
Entwurf: Malte Knipping

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Behutsame Vielfalt

Um Wege für West-Berlins Zukunft zu finden, initiierte Senatsbaudirektor Hans-Christian Müller die Internationale Bauausstellung (IBA) 1984/87. Ziel war es, die Innenstadt als attraktiven Wohnort zurückzugewinnen und so die Bevölkerungszahl aufrecht zu erhalten.

Planungsdirektor für die Neubaugebiete wurde der Architekt Josef Paul Kleihues, ein Kritiker der städtebaulichen Entwicklung der architektonischen Nachkriegsmoderne. Unter dem Leitbild der „Kritischen Rekonstruktion“ realisierte er mit Unterstützung einer Vielzahl bedeutender internationaler Architekt*innen Alternativen zum modernen Städtebau. Es entstanden abwechslungsreiche Bauten, die die historische Stadtstruktur und zeitgemäße Wohnansprüche gleichermaßen berücksichtigten. Ihre oft widersprüchlichen, teils willkürlich scheinenden Ausformulierungen brachten der Architekturdekade den Vorwurf des „Anything goes“ ein. Zu den Architekt*innen zählten Raimund Abraham, John Hejduk oder Hans Hollein, die ihre Ansätze hauptsächlich theoretisch entwickelt hatten. Anlässlich der IBA erhielten sie die seltene Möglichkeit, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Darüber hinaus führte die IBA neue Gestaltungselemente und urbane Wohntypen ein, wie das dekorativ verwendete Säulenmotiv, die bis heute beliebte „Mehrfamilienvilla“ oder den aufkommenden Stil des Dekonstruktivismus.

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