Die sachlichste aller
europäischen Großstädte

Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre

Peter Foerster, Orangenstillleben, um 1924
Peter Foerster, Orangenstillleben, um 1924
© Urheberrechte am Werk erloschen

Als „sachlichste aller europäischen Großstädte“ bezeichnete der Kunstkritiker Paul Westheim das Berlin der 1920er Jahre und beschrieb damit das prägende Lebensgefühl seiner Zeit. Auch in der Kunst entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg ein nüchterner Stil, der bald als Neue Sachlichkeit bezeichnet wurde.

Christian Schad, Porträt des Schriftstellers Ludwig Bäumer, 1927
Christian Schad, Porträt des Schriftstellers Ludwig Bäumer, 1927
© Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die zugehörigen Künstler*innen interessierten sich für die sichtbare Welt und richteten ihren Blick auf das Unspektakuläre, Alltägliche. Stillleben, (Stadt-)Landschaften und Porträts  bestimmten die künstlerische Agenda der Neuen Sachlichkeit. Besonders in Berlin schufen ihre Vertreter*innen aber auch Milieustudien aller Art und übten deutliche Kritik an der Gesellschaft. In ihren Gemälden und Zeichnungen zeigten sie Menschen und Gegenstände isoliert voneinander im Raum. Es entstanden Kompositionen mit klarem Bildaufbau und präzisen Personendarstellungen. Allerdings bildete die Neue Sachlichkeit die Lebenswelt der 1920er Jahre nicht einfach ab. Raumdarstellung und Proportionen wurden häufig verzerrt, und auch die Farbgebung entsprach nur selten den realen Motiven. Oft steigerte außerdem ein symbolisch verschlüsselter Hintergrund die Bildaussage.
Die Neue Sachlichkeit war darum nur scheinbar „sachlich“. Hinter der abgeklärten Haltung von Protagonist*innen wie Otto Dix, George Grosz, Jeanne Mammen und Christian Schad stehen Entfremdung und Krise des modernen Menschen.

Gemälde von George Grosz aus dem Jahr 1927
George Grosz, Selbstbildnis als Warner, 1927
© Estate of George Grosz, Princeton, N.J. / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Auch die Fotograf*innen der Neuen Sachlichkeit setzten auf eine strenge und objektive Bildsprache. Während das Neue Sehen die Welt auf künstlerische Weise neu erfand, spricht aus den neusachlichen Fotografien der Respekt vor der Realität. Hier wurden die technischen Möglichkeiten des Mediums genutzt um die Dinge in ihrer Einfachheit und Schönheit darzustellen. Die blühende Zeitschriftenindustrie der 1920er Jahre erhöhte die Nachfrage nach Mode- und Werbefotografie, und der Fotojournalismus entwickelte sich durch Fotograf*innen wie Erich Salomon zu einem eigenen, äußerst populären Genre.

Weitere Themen

Gemälde "Selbstbildnis im Totenhemd" von Felix Nussbaum aus dem Jahr 1942

Gleich­geschaltet

Berliner Kunst während des Nationalsozialismus 1933 – 1945

Hans Uhlmann, Ohne Titel, um 1934

Isoliert

Kunst im Verborgenen 1933 – 1945

Werner Heldt, Häuserstillleben, 1948

Zwischen Trümmern

Berliner Kunst nach Kriegsende 1945

Fred Thieler, Erzählung für W. Turner, 1962

Abstraktion als
„Sprache der Freiheit“

Tendenzen in der Kunst um 1950

Alle Themen

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu.

OK