Eine kapriziöse
Erscheinung:
„Die Rothaarige“

Jeanne Mammen (1890 – 1976)

Jeanne Mammen, Die Rothaarige, 1928
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Ende der 1920er Jahre hatte sich Jeanne Mammen (1890–1976) als Zeichnerin für Blätter wie Simplicissimus, Ulk oder Jugend einen Namen gemacht. Kurt Tucholsky schrieb begeistert, ihre Figuren sprängen „mit Haut und Haaren aus dem Papier“. Mammens Lieblingsthema waren die Frauen in der Großstadt: Im Café, auf dem Ball, an der Bar oder in der Kaschemme. "Die Rothaarige", 1928 im Ulk veröffentlicht, sitzt an einem Frisiertisch. Gedankenversunken blickt sie die Betrachter*innen an, wir sind ihr Spiegel. Der Friseur legte letzte Hand an. Ihr Auftritt ist schon hier vollkommen: Der helle Kittel, die weiße Haut, die Brauntöne des Hintergrunds geben die perfekte Folie ab, um das rote Haar, die Lippen und die blau geschminkten Katzenaugen zur Wirkung zu bringen. Die Rothaarige verkörpert eher den Vamp als das zeittypische, sportlich-kecke Girl. Diese kapriziöse Erscheinung versprüht eine Atmosphäre von Kälte und Distanz. Ihre Schönheit will nicht verführen, sondern genügt sich selbst.

Die Rothaarige (Gedanken beim Friseur)
um 1928
Zeichnung
Aquarell und Bleistift auf Papier
34,7 x 31 cm
Schenkung der Jeanne-Mammen-Gesellschaft, Berlin 1997

Jeanne Mammen
(1890 Berlin – 1976 Berlin)

Nach dem Studium in Paris, Brüssel und Rom lebte Jeanne Mammen seit 1916 in Berlin. Von 1923 bis 1928 arbeitete sie für Modezeitschriften, von 1924 bis 1933 für die satirischen Zeitschriften „Jugend“, „Simplicissimus“, „Uhu“ und „UIK“. 1930 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Gurlitt. Sie wurde ab 1933 mit Ausstellungsverbot belegt. Nach 1945 gehörte sie zum Kreis um die Galerie Gerd Rosen und beteiligte sich 1948 an der Ausstellung „Zone 5“ in der Galerie Franz. 1949 entwarf Mammen Bühnendekorationen für das Künstlerkabarett „Die Badewanne“ und 1950 für das Kabarett „Die Quallenpeitsche“.

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