Ein ungleiches Paar:
„Daum marries ...“

George Grosz (1893 – 1959)

George Grosz, "Daum" marries her pedantic automaton "George" in May 1920, John Heartfield is very glad of it, 1920
© Estate of George Grosz, Princeton, N.J. / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

„Daum“ ist das Anagramm von Maud, wie George Grosz (1893–1959) seine Freundin und spätere Frau, Eva Peter, nannte. Der überlange, ironische Titel des Bildes zeigt die Eheschließung des offensichtlich sehr ungleichen Paares an. Nur spärlich bekleidet steht Daum neben George, einem aus Körper- und Maschinenteilen zusammengesetzten Automaten. Dieser zeigt keinerlei Interesse für die verführerisch zur Schau gestellten Reize seiner Braut.

Lebendige Sinnlichkeit versus kühle, apparatehafte Zweckmäßigkeit – dieser Gegensatz wird durch die unterschiedlichen Techniken zusätzlich betont: Die weich gerundeten Formen der jungen Frau sind ganz traditionell als aquarellierte Federzeichnung dargestellt. Der Bräutigam besteht dagegen aus zusammenmontierten Fotografien aus Zeitungen und Illustrierten.

Die Schwarzweiß-Reproduktion dieser „metamechanischen Konstruktion“ nahm Grosz in die Mappe „Mit Pinsel und Schere. 7 Materialisationen“ auf, die 1922 im Malik-Verlag erschien. In ihr versammelte der Künstler dadaistische Arbeiten aus den Jahren 1919 bis 1922.

"Daum" marries her pedantic automaton "George" in May 1920,
John Heartfield is very glad of it.
1920
Collage
Aquarell, Bleistift, Tuschfeder und Collage auf Aquarellkarton
Erworben aus Mitteln der Stiftung DKLB, Berlin 1995

George Grosz
(1893 Berlin – 1959 Berlin)

George Grosz studierte zunächst an der Akademie der bildenden Künste in Dresden, wurde dann Schüler von Emil Orlik an der Kunstgewerbeschule in Berlin. 1917 erschienen seine ersten beiden Graphik-Mappen in Herzfeldes Malik-Verlag. 1918 war er Mitbegründer von Dada Berlin. Noch im gleichen Jahr tratt er der Novembergruppe und der KPD bei. Er nahm an der „Ersten Internationalen Dada-Messe“ 1920 in Berlin teil. 1921, 1924 und 1928 wird Grosz in zahlreichen Prozessen wegen Beleidigung der Reichswehr, des Angriffs auf die öffentliche Moral und Gotteslästerung angeklagt. 1933 emigrierte Grosz nach New York. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten 285 seiner Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen und zerstörten einen großen Teil. 1938 wurde er ausgebürgert.

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