Harte Arbeit statt Glamour:
„Revuegirls“

Jeanne Mammen (1890 – 1976)

Jeanne Mammen, Revuegirls, 1928/29
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Im vergnügungssüchtigen Berlin der 1920er Jahre überboten sich die Theater mit spektakulären Revuen. In knappen Kostümen sorgten die sogenannten Girls dabei für den erotischen Touch. Als Teil der Beine werfenden Tanztruppe waren sie normierte Typen, keine Individuen. „Revuegirls“ von Jeanne Mammen (1890–1976) zeigt allerdings zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Künstlerin konzentrierte sich auf die müden Gesichter, den fahlen Teint und die grell geschminkten Lippen. Die eigentliche Attraktion – die langgliedrigen Körper der Tänzerinnen – sind nur bis zur Brust dargestellt. Erschöpft halten sie inne, von Glamour keine Spur.

Mammen, als selbstständige Künstlerin ein Prototyp der emanzipierten „Neuen Frau“, enttarnte immer wieder weibliche Rollenbilder ihrer Zeit. Dem vorderen Revuegirl verlieh sie sogar ihre eigenen Züge. Die hintere Figur ähnelt ihrer Schwester Mimi.

Revuegirls
1928/29
Öl auf Pappe
64 x 47 cm
Erworben aus Mitteln der Stiftung DKLB, Berlin 1977

Jeanne Mammen
(1890 Berlin – 1976 Berlin)

Nach dem Studium in Paris, Brüssel und Rom lebte Jeanne Mammen ab 1916 in Berlin. Von 1923 bis 1928 arbeitete sie für Modezeitschriften, von 1924 bis 1933 für die satirischen Zeitschriften „Jugend“, „Simplicissimus“, „Uhu“ und „UIK“. 1930 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Gurlitt. Sie wurde ab 1933 mit einem Ausstellungsverbot belegt. Nach 1945 gehörte sie zum Kreis um die Galerie Gerd Rosen und beteiligte sich 1948 an der Ausstellung „Zone 5“ in der Galerie Franz. 1949 entwarf Mammen Bühnendekorationen für das Künstlerkabarett „Die Badewanne“ und 1950 für das Kabarett „Die Quallenpeitsche“.

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