Bruno Krauskopf

Das Irrenhaus, 1919

Gemälde von Bruno Krauskopf, Öl auf Leinwand, 82 x 106 cm

Bruno Krauskopf (1892–1960), Das Irrenhaus, 1919

© unbekannt; Repro: Kai-Anett Becker
Gattung Gemälde
Material Öl auf Leinwand
Maße 82 x 106 cm
Signatur signiert und datiert unten rechts: Bruno Krauskopf 19

Restauriert mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung

Forschungsstand

Die Provenienz ist ungeklärt und wird weiter erforscht.

© Repro: Kai-Annett Becker

Auf einem Apfelschimmel
durch den Tiergarten


„In Norwegen hat man ihn meistens mit van Gogh verglichen und in New York den deutschen Rabelais der bildenden Kunst genannt. Im Berlin der Zwanziger Jahre erzählte man sich recht tolle Geschichten von ihm. Er presche, so hieß es, meist nach durchzechter Nacht auf einem Apfelschimmel durch den Tiergarten (…), sei aber auch ein Grandseigneur, der Kavalier mit dem Sektglas in der Hand. Und wenn ihn die Malwut packe, stehe er halbnackt wie ein Heizer vor seiner Staffelei.“


Eberhard Knoch: Über Bruno Krauskopf, sein Werk und diese Ausstellung, in: Bruno Krauskopf: Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen. Gedächtnisausstellung zum 80. Geburtstage, Ausstellungskatalog, Rathaus Charlottenburg / Kunstamt Berlin-Charlottenburg 1972, o.S.

Diese Beschreibung des lebensfrohen Bruno Krauskopf entstand 1972. Anlass war eine Retrospektive zu dem Künstler, der 1933 nach Norwegen emigrierte und später von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert wurde. Der norwegische Staat bezichtigte Krauskopf 1945 der Spionage für Deutschland und erklärte ihn zum „unerwünschten Ausländer“. 1948 ging er nach New York. Schließlich zog es Krauskopf wieder nach Berlin (West), wo er 1960 verstarb.

Rückseite eines Bilderrahmens, Detailansicht eines Aufklebers und einer handschriftlichen Notiz

Label der Galerie Michael Haas, Berlin. Der in Bleistift geschriebene Hinweis „1079/81“ rechts neben dem Etikett ist mit der Inventarnummer auf dem Galerielabel identisch.

© Repro: Kai-Annett Becker

1985 erwarb die Berlinische Galerie „Das Irrenhaus“ von der Berliner Galerie Michael Haas. Informationen zur Vorgeschichte oder zu Vorbesitzer*innen des Gemäldes konnte diese nicht zur Verfügung stellen. In einem Katalog der Galerie aus dem Jahr 1981 ist das Werk mit Abbildung – jedoch ohne Provenienznachweis – aufgeführt. Das Bild war also seit diesem Zeitpunkt im Besitz der Galerie.

Als Vorprovenienz ist die Berliner Ago Galerie anzunehmen. Sie stellte das Gemälde unter dem Titel „Irrenanstalt“ 1977 dem Kunstamt Wedding für eine Doppelausstellung zu Bruno Krauskopf und Wilhelm Kohlhoff (1893–1971) zur Verfügung.

Katalogseite mit Text: Werkangaben, Druck, Papier

Im Ausstellungskatalog des Kunstamts Wedding von 1977 wird Krauskopfs Gemälde als „Irrenanstalt“ geführt. Leihgeber ist die Berliner Ago Galerie.

Ausstellungskatalog: Wilhelm Kohlhoff. Bruno Krauskopf. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Rathaus Wedding 1977

© Repro: Berlinische Galerie

Die damals in Berlin-Wilmersdorf ansässige Ago Galerie wurde von Wolfgang Thiede gegründet und legte ihren Schwerpunkt auf Kunst aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Sie existiert heute nicht mehr. In den raren, bisher recherchierten Ausstellungskatalogen der Galerie konnte das Gemälde von Krauskopf nicht gefunden werden. Ebenfalls mangelt es an grundlegenden Informationen zur Ago Galerie. Das zeigt, dass die Erforschung des Kunstmarkts als wichtiges Instrument der Provenienzforschung vorangetrieben werden muss. Die Lücke in der Provenienzkette zwischen 1919 und 1977 konnte bisher nicht geschlossen werden.

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