Vernetzte Nachbarschaft

Künstlerische Projekte von Kindern und ihren Familien, die in der Gemeinschaftsunterkunft Stallschreiberstraße leben

Foto: Ein Kind ist mit halb-transparentem Stoff verhüllt und hat die Arme wie in einer Tanzbewegung erhoben.

Jeden Montag treffen sich Kinder ab 6 Jahre mit den Künstlerinnen Atefeh Kheirabadi, Zara Morris und Tijana Mirjacic in den Räumen der Gemeinschaftsunterkunft oder in der Berlinische Galerie, um an künstlerischen Ideen zu arbeiten und zusammen eine gute Zeit zu haben. Die Projekte und ihre Ausstellungsbezüge orientieren sich an den Interessen der Teilnehmer*innen.

Seit 2016 arbeiten die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Stallschreiberstraße, die Berlinische Galerie und der Verein Jugend im Museum zusammen. Seit 2018 beteiligen sich auch die Tempohomes in der Alten Jakobstraße an der Kooperation.

Momentan experimentieren die Kinder durch Zeichnen, Fotografieren und Performance zu den Themen Bett und Schlaf. Ausgehend von dem Gemälde „Die Nacht“ von Ferdinand Hodler gab es ein Fotoshooting im Garten der Gemeinschaftsunterkunft. Zum Einschlafen haben die Kinder Wiegenlieder in ihren verschiedenen Sprachen gesungen. Inspiriert von Alicja Kwades Skulptur „Selbstporträt als Geist“ verhüllten sie sich zu Halloween mit Bettdecken und schossen spukhafte Porträts. In den kommenden Wochen wird die Gruppe die Ausstellungen der Berlinische Galerie mehrmals besuchen und findet weiter heraus, welche Verbindungen Bett und Schlaf mit dem Museum und seinen Kunstwerken haben.

Foto: Kinder liegen und sitzen in einem selbstgebauten Bett im Wald.
© Miriam Zaidan

Wem gehört die Straße?
In den Sommerferien 2021 haben sich die Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft Stallschreiberstraße zu einem Workshop getroffen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten sie eine Zeit lang nicht im Hof hinter dem Haus spielen. Sie fuhren stattdessen mit ihren Rollern, Skateboards und Rollschuhen auf der Straße. Dieses Spielen im öffentlichen Raum wurde zum Thema des Sommerferienprogramms. Ausgehend von der Ausstellung „Anything Goes? Berliner Architekturen der 1980er Jahre“ haben die Kinder eigene Straßen gezeichnet. Im Anschluss wurden diese zu einem Skate-Parcours angeordnet. Die Gruppe hat mit GoPro Kamera, Handy und Tablet ihre Aktionen hinter dem Museum und auf dem Tempelhofer Feld aufgenommen.

Der tolle Platz
Im Rahmen des Projektes "Einzeichnen. Festival zur zeichnerischen Eroberung der Stadt" haben sich Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft Stallschreiberstraße in den Sommerferien 2020 in einem dreitägigen Workshop zum Thema Stadt getroffen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten sie nur im Hof des Hauses arbeiten. Angeregt durch das Gemälde „Der tolle Platz“ von Felix Nussbaum aus der Sammlung der Berlinischen Galerie haben die Kinder angefangen, ihre Ideen zu zeichnen.

Zeichnungen: Mohammad, Maria, Rojin, Samira, Sima, Rima, Arwa, Maria, Asil, Madina, Rakhad, Khaled, Kais, Miriam, Malik und Ibrahim
Kunstvermittler*innen: Zara Morris, Dachil Sado
Assistenz: Tijana Mirjacic

Ausstellungseroeffnung Kunstessen
© Tijana Mirjacic

Kunstessen
Im März 2020 wurde eine eigene Ausstellung im "207m². Raum für Aktion und Kooperation" eröffnet.
Zuvor haben sich die Kinder mehrmals in den Schulferien zur Workshopreihe KUNSTESSEN getroffen. Die Idee war, über das Thema Essen die Kunst in der Berlinischen Galerie besser kennen zu lernen. Aber wie geht das, wenn man im Museum nicht essen darf? Dann müssen die Kunstwerke auf den Teller! Der Künstler Anton von Werner gab den Impuls für ein „Running Dinner“ während der Winterferien durch die Nachbarschaft. In den Osterferien lieferte ein abstraktes Gemälde von Fred Thieler Inspiration. Aus Kurkuma, Spinat, Petersilie und Rote Beete haben die Kinder Farben hergestellt, um damit anschließend das Bild nachzukochen. Während der Sommerferien boten Lieblingsporträts der Künstlerin Lotte Laserstein die Grundlage für leckere Brotporträts, die im Anschluss verspeist wurden. Die Formsprache der Kunstschule Bauhaus (1919 – 1933) war Thema der Herbstferien. In Anlehnung an die Jubiläumsausstellung hat die Gruppe in der Küche mit den Grundformen Kreis, Quadrat und Dreieck experimentiert. In den Winterferien 2020 trafen sich alle erneut und fertigten Kunstwerke für diese Fotoausstellung an. So entstand aus Kunst Essen und aus Essen wiederum Kunst!

2019
Die Kinder experimentierten einige Monate lang mit Blitzauftritten an wechselnden Orten. Die Dreißig Sekunden Shows sind eine inklusive Einladung an alle, spontan und selbstbestimmt vor einer Kamera auf einer adhoc Bühne zu agieren, die beispielsweise vor einem Kiosk, an einer Bushaltestelle oder in einer Ausstellung improvisiert wird.

2017–2018
In den Jahren 2017 und 2018 fand unter dem Titel „Leuchtender Montag“ eine offene Kunstwerkstatt zum Thema Licht statt. Die darin erprobte Leucht- und Lampenpraxis besuchte mehrfach die Installation tele von Carsten Nicolai, um Fragen über die Wahrnehmung von Wirklichkeit und die Möglichkeiten der Telepathie zu besprechen.

Bereits Tradition hat der jährliche Reiseworkshop, der begehrte Ziele mit Ausstellungen moderner oder zeitgenössischer Kunst verbindet: Zum Beispiel die Dauerausstellung mit der Pfaueninsel oder den Tier- und Saurierpark Germendorf mit der Ausstellung Cyrill Lachauer. "What Do You Want Here".  

Seit September 2018 tauschen sich Frauen mit und ohne Fluchtgeschichte in der Berlinischen Galerie auf deutscher Sprache über Kunst aus. Indem sie ihr Wissen und ihre Sichtweisen auf die Welt in den Ausstellungen verhandeln, tragen sie etwas dazu bei, die Berlinische Galerie als einen Ort vielfältiger Allianzen zu prägen.

Das Projekt entstand im Rahmen des Netzwerks Berlin Mondiale – ein Projekt des Rates für die Künste Berlin in Trägerschaft des Kulturnetzwerkes Neukölln e. V. 
2019 ermöglicht durch: Gegenbauer Holding SE & Co. KG
in Kooperation mit Jugend im Museum e.V.
Künstlerische Projektleitung: Beate Gorges, Zara Morris, Atefeh Kheirabadi, Tijana Mirjacic
(2019/2020 Dachil Sado, bis Juni 2019 Ismail Karayakupoglu und bis Juli 2018 Peter Schedler)

Bildergalerie

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