Virtueller Videoraum

In unserem neuen virtuellen IBB-Videoraum zeigen wir ausgewählte Video-Arbeiten aus dem aktuellen Programm und aus der Sammlung der Berlinischen Galerie. Film ab!

Ming Wong, Next Year / L’Année Prochaine / 明年, 2016
Ming Wong, Next Year / L’Année Prochaine / 明年, 2016
© Ming Wong, Courtesy carlier | gebauer, Berlin

Jumana
Manna

A Sketch of Manners (Alfred Roch’s Last Masquerade), 2013, 12 Min.

Ausgangspunkt für „A Sketch of Manners“ war eine Schwarz-Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1924, die während einer jährlich stattfindenden Maskerade-Party aufgenommen wurde. Auf dieser ist der palästinensische Politiker Alfred Roch mit zahlreichen Gästen in seinem Haus zu sehen. Sie posieren für eine Gruppenaufnahme, kostümiert als Pierrots. Die bourgeoise Szenerie erinnert unweigerlich an das Berlin der 1920er Jahre. Als die palästinensische Künstlerin Jumana Manna das Bild entdeckte, war sie fasziniert von seiner Theatralität und der rätselhaften Darstellung von urbaner Modernität. Durch eine Re-Inszenierung der Fotografie schafft sie ein filmisches Tableau Vivant („lebendes Bild“), das uns einen Einblick in das mondäne Leben der palästinensischen Elite unter britischem Mandat gibt. Zusätzlich nimmt die Künstlerin eine Neuverortung des Geschehens in das Jahr 1942 vor. Durch die zeitliche Verschiebung gelingt es Manna, Palästina in ein neues Verhältnis zu den globalen Krisen dieser Zeit und ihrer Folgen zu setzen. Alfred Rochs letzte Maskerade verbildlicht unwissentlich eine Vorahnung der unsicheren Jahre, die Palästina bevorstehen.

„A Sketch of Manners“ ist der erste Teil eines Projektes namens „Imagined Cities“, das die Geschichten Jerusalems und Los Angeles als verschiedene Arten des „gelobten Landes“ verbindet.

Biografie

Jumana Manna wurde 1987 in New Jersey, USA, geboren. Sie studierte in Jerusalem, Oslo und Los Angeles und war Stipentiatin des Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Ihre Arbeiten waren bisher unter anderem bei der 11. Sharjah-Biennale, der Sydney Biennale, der Toronto Biennale, in der Kunsthall Oslo, Norwegen, dem Kalmar Konstmuseum, Schweden, der Kunsthal Charlottenberg, Dänemark, der ifa-Galerie, Stuttgart, im Hamburger Bahnhof, Berlin, sowie auf verschiedenen Filmfestivals zu sehen. 2017 erhielt sie den ars vive Prize for Visual Arts.

Nevin
Aladağ

City Language I, 2009, 4:50 Min.

Nevin Aladağ entwirft in ihrer dreiteiligen Arbeit "City Language I-III" (2009) ein audio-visuelles Porträt der Stadt Istanbul.

In „City Language“ I werden vier traditionelle türkische Instrumente von den Elementen und Lebewesen der Stadt zum Erklingen gebracht: Ein Tambourin gleitet über das Meer; eine Nay – eine Langflöte – ertönt durch den Wind eines fahrenden Autos; eine Saz – ein Zupfinstrument – wird durch pickende Tauben zum Leben erweckt; mehrere Teile eines Windspiels rollen quer durch die Stadt eine Treppe hinab. Die Übergänge zwischen Geräusch und Musik sind dabei fließend. So entspinnt sich ein immer dichter werdender Klangteppich und es entsteht ein poetisches Bild dieser Stadt zwischen Tradition und Moderne.

City Language II, 2009, 7:31 Min.

„City Language II“ besteht insgesamt aus acht Teilen, von denen einer hier zu sehen ist. Er zeigt das konservative Istanbuler Stadtviertel Fatih, das während einer Motorradfahrt aufgenommen wurde und sich in dessen Rückspiegel reflektiert. Die direkte Wahrnehmung der Umgebung ist durch die Geschwindigkeit des Motorrads kaum möglich, das Gespiegelte hingegen ist klar zu erkennen. Angelehnt an eine in den USA und Kanada auf Rückspiegeln übliche Sicherheitswarnung („objects in the mirror are closer than they appear“) zierteren die Spiegel Passagen aus zeitgenössischen Popsongs.

Biografie

Nevin Aladağ wurde 1972 in Van, Türkei, geboren. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste München. Ihre Arbeiten waren in der Vergangenheit unter anderem im Hamburger Bahnhof, Berlin, der Schirn Kunsthalle, Frankfurt, Künstlerhaus Stuttgart, im Kunstmuseum Wolfsburg, der Malmö Konsthall (Schweden) sowie bei der 11. Sharjah Biennale, Venedig Biennale (2017) und documenta 14, Kassel, zu sehen. Aladağ lebt und arbeitet in Berlin.

Ming
Wong

Next Year / L’Année Prochaine / 明年, 2016, 17:40 Min.

Ming Wongs Videoarbeiten basieren häufig auf der künstlerischen Aneignung von Spielfilmen oder der Verwendung von popkulturellen Zitaten. Er beschäftigt sich mit deren Repräsentation von Geschlecht, Sprache und Identität und entwickelt eine Position des Dazwischen, der Uneindeutigkeit. 

In „Next Year/L’Année Prochaine/明年“ (2016, 17:40 Min.) beschäftigt sich Wong mit Alain Resnais‘ Film „L’Année dernière à Marienbad“ (1961). Die Nouvelle Vague-Ikone zeichnet sich durch eine Ambiguität in der Erzählung und eine innovative Bildsprache aus – beides Elemente, die Wong in seiner Arbeit zuspitzt. So erfährt man in „L’Année dernière à Marienbad“ nie, an welchem konkreten Ort die Handlung stattfindet – ein Umstand, den sich Wong zunutze macht, wenn er seine Version im Marienbad Café und dem Fuxing Park aufnimmt, beide in Shanghai und geprägt durch koloniale Einflüsse. Durch die Überlagerung kultureller Codes kommt es ebenso zu Irritationsmomenten wie durch Wongs Verkörperung der männlichen wie weiblichen Protagonist*innen – gewohnte Zuschreibungen werden durchbrochen.

Biografie

Ming Wong wurde 1971 in Singapur geboren. Er studierte an der Slade School of Art, London, sowie an der Nanyang Academy in Singapur. Seine Arbeiten wurden bisher unter anderem jüngst im Rahmen der Busan Biennale, Südkorea,auf der 53. Biennale Venedig, im Museum of Modern Art, Warschau, der nGbK Berlin, dem Hartware MedienKunstVerein Dortmund und dem Gropius Bau, Berlin gezeigt. 2016–2018 hatte er eine Gastprofessur an der Universität der Künste, Berlin. Ming Wong lebt und arbeitet in Berlin.

Haris
Epaminonda

Tarahi III, 2006, 1:08 Min

Ohne konkrete Handlungen zu ergeben, ziehen sich bestimmte Themen und Ästhetiken wie ein roter Faden durch Haris Epaminondas künstlerisches Werk. Dazu gehört insbesondere der Bezug zur Geschichte ihrer Heimatinsel Zypern und ihre Spiegelung im kollektiven Gedächtnis oder in bestimmten politischen Narrativen. Häufig verarbeitet sie auch archäologische oder ethnologische Fotografien oder den Kitsch griechischer Fernsehprogramme und Soap-Operas.

Epaminondas frühe Videos konzentrieren sich in der Regel auf wenige Bilder, Geräusche und Eindrücke, die miteinander ein komplexes, sorgfältig komponiertes Zusammenspiel ergeben. So kann sich der flüchtige Moment einer Fotografie durch längeres Betrachten und die Kombination mit Musik zu einer spektakulären, emotional aufgeladenen filmischen Handlung ausdehnen. Die Künstlerin nutzt häufig abgefilmte Buchseiten oder Found-Footage-Fragmente – bereits bestehendes filmisches Material – aus dem Film oder Fernsehen der 1960er-und 1970er-Jahre und verdichtet sie zu prägnanten, stimmungsvollen Eindrücken. In ihren audiovisuellen Montagen arbeitet sie häufig mit Überblendungen, Wiederholungen und Loops oder einer veränderten Laufrichtung oder Geschwindigkeit der Sequenzen. Die Bilder verschmelzen mit einem Soundtrack aus klassischer Musik oder gedämpften Geräuschkulissen, die Stimmungsbilder und angedeutete Narrative ergänzen und verstärken. Manche Videos erreichen eine nahezu abstrakte atmosphärische Qualität, die den Besucher sich selbst und seinen eigenen Assoziationen überlässt.

Für den virtuellen Videoraum hat die Künstlerin aus einer Auswahl ihrer frühen Arbeiten aus 2006 ein Programm entwickelt. Im Juni wird Tarahi I, im Juli Tarahi III und im August Gramophone präsentiert.

Biografie

Haris Epaminonda (*1980 in Nikosia, Zypern; lebt in Berlin) war 2007 Mitvertreterin Zyperns auf der 52. Venedig Biennale und nahm 2012 (zusammen mit Daniel Gustav Cramer) an der dOCUMENTA 13 teil. Ihre Arbeit wurde 2019 mit dem Silbernen Löwe an der 58. Venedig Biennale ausgezeichnet. Zudem wurde sie im gleichen Jahr für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst nominiert. Einzelaus-stellungen (Auswahl): Secession, Wien, 2019, CAAC, Seville, 2016; Le Plateau, Frac-ile-de-France, Paris, 2015; Fondazione Querini Stampalia, Venedig, 2014; Point Center for Contemporary Art, Nicosia, 2013; Modern Art Oxford, Oxford, 2013; Kunsthaus Zürich, 2013, Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 2012; Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 2011; Museum of Modern Art, New York, 2011; Tate Modern, London, 2010; Malmö Konsthall, Malmö, 2009; Künstlerhaus Bethanien, Berlin, 2008.

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