Virtueller Videoraum

In unserem neuen virtuellen IBB-Videoraum zeigen wir ausgewählte Video-Arbeiten aus dem aktuellen Programm und aus der Sammlung der Berlinischen Galerie. Film ab!

Sasha Litvintseva in collaboration with Daniel Mann, Salarium, 2017, Film Still
Sasha Litvintseva in collaboration with Daniel Mann, Salarium, 2017, Film Still
© Sasha Litvintseva and Daniel Mann

Salomé
Lamas

Ubi Sunt, 2017, 23 Min.

Salomé Lamas arbeitet an den Schnittstellen von Kino, Kunst und Performance. Ihre Arbeiten beleuchten häufig Personen, soziale Gruppierungen oder Gebiete, denen sonst wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Besonders interessiert sie das Verhältnis zwischen Erzählung und Darstellung sowie die Rolle der Fiktion in jeder Art des Geschichtenerzählens – auch in vermeintlich „dokumentarischen“ Formaten. Mittels verschiedener Verfremdungsstrategien wie der Einbettung surreal oder traumartig wirkender Szenen gelingt Lamas in ihren Filmen die Durchbrechung gängiger narrativer Strukturen, wobei sie Mehrdeutigkeiten zulässt und die Vorstellung einer „wahren“ Abbildung des Realen negiert.

Ubi Sunt (2017, 23 Min.) widmet sich der geo-grafischen und sozialen Peripherie Portos mittels eklektischer Bilder und Narrationen: Interviews mit Teenagern eines Jugendstrafgefängnisses wechseln sich ab mit Tanzperformances, Erinnerungen verschmelzen mit der Gegenwart.

Biografie

Salomé Lamas (*1987, Lissabon) studierte Film in Lissabon und Prag sowie Bildende Kunst in Amsterdam. Aktuell ist sie Doktorandin der Zeitgenössischen Kunst in Coimbra, Portugal. Ihre Arbeiten wurden sowohl in Kunstinstitutionen als auch auf Filmfestivals wie der Berlinale, Museo Arte Reina Sofia, MNAC - Museu do Chiado, DocLisboa, MoMA - Museum of Modern Art, Museo Guggenheim Bilbao, Harvard Film Archive gezeigt, Museum of Moving Images NY, Jüdisches Museum NY, Fid Marseille, Arsenal Institut für Film und Videokunst, Viennale, Culturgest, CCB - Centro Cultural de Belém, Hongkong FF, Museu Serralves, Tate Modern, CPH: DOX, Centre d'Art Contemporain de Genève, Bozar , Tabakalera, ICA London, Stiftung TBA 21, Mostra de São Paulo, CAC Vilnius, SESC São Paulo, MAAT, La Biennale di Venezia Architettura, u.a. gezeigt. Lamas erhielt mehrere Stipendien, u.a. das Gardner Film Study Center Fellowship - Harvard University, Film Study Center-Harvard Fellowship, The Rockefeller Foundation - Bellagio Center, Brown Foundation - Dora Maar House, Fundación Botín, Fundação Calouste Gulbenkian, Sundance, Bogliasco Foundation, The MacDowell Colony, Yaddo, Camargo Foundation, Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Zurzeit hat sie eine Residenz bei der Camargo Foundation in Cassis, Frankreich.

Sasha Litvintseva
(in Zusammenarbeit mit Daniel Mann)

Salarium, 2018, 42 Min.

Ausgehend von der Tatsache, dass die Begriffe „Salär“ und „Soldat“ beide vom lateinischen Wort für „Salzration“ abstammen, beschreibt der Film Salarium am Beispiel der Senklöcher am Toten Meer das enge Wechselverhältnis zwischen wirtschaftlichen, militärischen und geologischen Kräften. Tausende solcher Senklöcher durchziehen heute den Küstenstreifen des Toten Meeres in Israel und Palästina hin zur weitläufigen Judäischen Wüste. Sie verschlingen die letzten Reste einst beliebter Strände, Vergnügungsanlagen und Siedlungen. Sie machen die Gegend unbewohnbar und allein das Betreten zu einer Gefahr. Aus einem früheren Naturdenkmal, das Tourist*innen und Investitionen anlocken sollte, ist heute eine Landschaft des Verfalls auf  unsicherem Boden geworden. Die Senklöcher sind sowohl sichtbare Symptome des kolonialen Projekts der Instrumentalisierung der Natur als auch Grund für dessen Scheitern. In ihnen fallen zwei Zeitmaße ineinander: das der einzelnen Geschichten der israelischen Besiedlung und das der schleichenden Katastrophe als Folge der Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Sichtbar wird dies im Einsturz des Bodens, was verdeutlicht, dass Land mehr ist als bloße Oberfläche.

Biografien

Sasha Litvintseva wurde 1989 in Russland geboren. Sie studierte an der Slade School of Fine Art und der Kingston University, London. Aktuell promoviert sie am Goldsmiths, London. Ihre Arbeiten wurden bereits auf zahlreichen Ausstellungen und Festivals gezeigt, etwa beim Berlinale Forum Expanded, International Film Festival Rotterdam, Kunstverein Göttingen, Kasseler DokFest, Cinéma du Réel und Edinburgh Film Festival. Sasha Litvintseva lebt in Berlin und London.

Daniel Mann ist Filmemacher und Forscher und lebt in London. Manns Filme wurden international auf Filmfestivals und Institutionen wie den Berliner Filmfestspielen, dem Rotterdamer Filmfestival, Cinéma du Réel und dem ICA in London präsentiert. Seine demnächst erscheinende Monografie mit dem Titel „Occupying Habits: Individuating Media and Warfare in Israel and Palestine“, wird nächstes Jahr bei Bloomsbury Press erscheinen. Mann ist derzeit Leverhulme Early Career Fellow an der Abteilung für Filmwissenschaften am King's College London.

Yalda
Afsah

Tourneur, 2018, 14 Min.

Yalda Afsah setzt sich in ihrer neuen Werkreihe mit dem Verhältnis von Mensch und Tier auseinander und stellt die Grenze zwischen Zuwendung und Unterwerfung, sowie die Vormachtstellung des Menschen infrage. Ihre Arbeiten wirken wie Choreografien, obwohl die Ausgangspunkte ihrer Filme auf realen Ereignissen beruhen. In der Berlinischen Galerie wurden die in der Kleinstadt Quissac in Südfrankreich gedrehten Videos „Tourneur“ (14 min, 2018) und „Vidourle“ (10 min, 2019) präsentiert.

„Tourneur“ ist eine abstrakte Studie über die archaische Tradition des französischen Stierkampfes. Der Film zeigt junge Männer, die vor einem Stier, der im Bildrahmen erscheint, höhnisch umherlaufen. Durch das Filmmaterial, in dem man nur kurze Momentaufnahmen sieht, entfernt „Tourneur“ dieses Ereignis aus seiner kulturellen und geographischen Spezifik und transportiert es in einen abstrakten filmischen Raum. Afsahs Tonbearbeitung und der Einsatz von Musik betonen die Körperlichkeit von Mensch und Stier.

Biografie

Die deutsch-iranische Filmemacherin Yalda Afsah wurde 1983 in Berlin geboren. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin (UdK), an der Burg Giebichenstein - Kunsthochschule in Halle, sowie dem California Institute of the Arts. Ihre Filme wurden in mehreren Festivals u.a. das Locarno Festival, New York Film Festival, Internationale Kurzfilmtage Winterthur, und Institute of Contemporary Arts (ICA) London sowie Neue Berliner Kunstverein gezeigt. 2018 hat sie am BPA // Berlin Program for Artists teilgenommen. Sie ist Stipendiatin der Graduiertenschule der UdK in Berlin.

Lisa
Rave

Europium, 2014, 20 Min.

Lisa Rave beschäftigt sich in ihren Videoarbeiten häufig mit Kolonialgeschichte und ihren heutigen Ausprägungen. „Europium“ (2014, 20 Min.) ist ein Essayfilm, der vom gleichnamigen Schwermetall erzählt.

Ausgangspunkt ist die Muschelwährung Tabu, die auf Neuguinea als Zahlungsmittel verwendet wird, und die der Legende nach im 19. Jahrhundert von deutschen Kolonialherren gefälscht wurde. Rave berichtet von heutigen Plänen westlicher Konzerne, Europium aus dem Boden der Bismarcksee – nördlich von Neuguinea – zu gewinnen. Denn: Europium kommt trotz seines Namens nicht auf dem europäischen Kontinent vor. Es wird aber beispielsweise für die Sicherheitsmarkierungen auf Euro-Scheinen eingesetzt, um durch seine fluoriszierende Wirkung Fälschungen zu verhindern.

Ein weiteres Verwendungsgebiet ist die Herstellung von Smartphone Displays und anderen Flat Screens, bei denen Europium für die Leuchtkraft der Bilder sorgt. Und so sehen wir gleich zu Beginn Testbilder mit makellosen (Südsee-)Landschaften, die die Brillianz ihrer Abspielgeräte demonstrieren sollen – und dabei den westlichen Blick auf diese „exotischen“ Ziele entlarven.

Der Aufbau des Films erinnert an die Spiralstruktur der Nautilus-Muschel, die den Film leitmotivisch durchzieht: Jedes Thema generiert eine weitere Narration, ohne dass eine Hierarchie der Erzählungen auszumachen wäre. Rave zeigt so die Komplexität der verhandelten Fragen, die alle einer Kontextualisierung bedürfen und von Verflechtungen zwischen kulturellen, ökonomischen und macht- bzw. geostrategischen Interessen geprägt sind.

Biografie

Lisa Rave wurde 1979 in Guildford (England) geboren und wuchs in Kiel auf. Sie studierte an der Universität der Künste, Berlin, Fotografie am Bard College, New York und war Fellow an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) und The Current fellow der Thyssen Bornemisza Art Contemporary Academy (TBA21). Ihre Arbeiten wurden u.a. im Kunstmuseum Basel,  bei der transmediale im HKW Berlin, im Museum for Modern Art Dubrovnik (MOMAD), der Toronto  Biennale und der LIAF Biennale in Norwegen, im Centre for Contemporary Art Singapore, im mumok Wien und im Württembergischen Kunstverein Stuttgart gezeigt. Rave wurde mit verschiedenen Auszeichnungen bedacht, so dem Elsa-Naumann-Stipendium des Landes Berlin, dem 21. Videokunstpreis Bremen und dem Stipendium für Film/Video der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart. Sie lebt in Berlin.

Die Realisierung erfolgt mit freundlicher Unterstützung der

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu.

OK